Universitäre Lehrer-Ausbildung in Europa an der Tagesordnung - mit Infografik

3. Mai 2006, 15:15
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Bei der Lehrer-Ausbildung stellt Österreich im Europa-Vergleich eher die Ausnahme dar

Während in den meisten anderen Staaten sämtliche Pädagogen an universitären bzw. gleichgestellten Einrichtungen ausgebildet werden, sind die Universitäten hier zu Lande nur für die Ausbildung der Lehrer an den höheren Schulen (AHS, BMHS) zuständig: Wer an Pflichtschulen (v.a. Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnische Schule) unterrichten will, muss eine Ausbildung an den Pädagogischen Akademien (PädAKs) absolvieren, die künftig in Pädagogische Hochschulen (PH) umgewandelt werden sollen.

Fast nur Gesamtschule

Die getrennte Ausbildung in Österreich ist vor allem durch das international unübliche Schulsystem ab der Sekundarstufe bedingt: Die Trennung in Hauptschule und AHS-Unterstufe kennen kaum andere Staaten - sie unterrichten alle Kinder gemeinsam (Gesamtschule). Folge: Auch die Lehrer-Ausbildung erfolgt einheitlich an Unis bzw. gleichgestellten Einrichtungen.

Verschiedene Systeme

Im Primar-Bereich (Volksschule) bilden neben Österreich derzeit Belgien, Dänemark und Luxemburg ihre Lehrer nicht-universitär aus, in Litauen, Portugal und Polen gibt es sowohl universitäre als auch nicht-universitäre Ausbildungsschienen. Die Schweiz hat gerade eine Umstellungsphase abgeschlossen: Seit heuer ist die Überführung der kompletten Lehrer-Ausbildung auf die Hochschulebene endgültig vollzogen - die derzeit im Dienst stehenden Lehrer der Primarschule sind daher erst teilweise auf hochschulischem Niveau ausgebildet.

Für die höheren Schulstufen bleiben dann nur Belgien und Dänemark bei einer nicht-universitären Ausbildung. Österreich spaltet die Ausbildung für die Schulstufen nach der Volksschule auf: Die AHS- und BHS-Lehrer studieren an Unis, die Hauptschullehrer an den PädAKs. Während erstere eine Mindeststudiendauer von vier Jahren haben und einen akademischen Abschluss erlangen, müssen letztere nur eine dreijährige Ausbildung absolvieren und werden derzeit keine Akademiker. Den derzeitigen Status der Pflichtschullehrer-Ausbildung zeigt auch die gesetzliche Verankerung - sie ist im Schulorganisationsgesetz festgeschrieben.

Durchschnittlich vier Jahre

Die Dauer der Lehrer-Ausbildung im Sekundarbereich variiert von Staat zu Staat: In den meisten dauert sie zwischen vier und viereinhalb Jahren - kürzer ist sie nur in Österreich (für die Hauptschullehrer), Belgien und Island. Mindestens sechs Jahre müssen künftige Sekundarstufenlehrer in Deutschland (für das Gymnasium), Italien, Luxemburg, Portugal und Schottland büffeln. Auch die Organisation ist unterschiedlich: Möglich sind ein simultanes (theoretische und praktische berufsbezogene Ausbildung beginnt gleichzeitig mit dem fachwissenschaftlichen Studium, Anm.) oder ein konsekutives Modell (theoretische und praktische berufsbezogene Ausbildung großteils nach dem fachwissenschaftlichen Studium, Anm.). In Österreich erfolgt die Ausbildung der Hauptschullehrer nach dem simultanen, jene der AHS-Lehrer nach dem konsekutiven Schema. (APA)

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