Werberegeln: Wirtschaft wünscht sich Verlässlichkeit

27. Dezember 2005, 15:30
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Podiumsdiskussion: Gesetzliche Rahmenbedingungen für Werbung in ORF und Privaten entscheidend für Standortqualität

Die werbetreibende Wirtschaft wünscht sich verlässliche Rahmenbedingungen für Werbung in Radio und Fernsehen. Dies wurde am Donnerstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung des Forum Mediaplanung (FMP) deutlich. Debattiert wurde, ob die Entscheidungen des Bundeskommunikationssenats "werbefeindlich oder werbefreundlich" seien. Einig war man sich, dass die gesetzlichen Bestimmungen für Werbung mit entscheidend für die Standortqualität sind.

"Klarheit und Verlässlichkeit hinsichtlich der Rechtssprechung" braucht Thomas Wieland, als Managing Director bei Unilever für die Marken Eskimo und Iglo zuständig. Es dürfe keine Rücksicht auf "kurzfristige Partikularinteressen" geben, "wo einmal hier gebeugt wird und einmal da". Gerade ein kleiner Markt wie Österreich müsse auf Innovationen setzen, wozu auch Sonderwerbeformen gehören. Ansonsten drohe Abwanderung: "Auch woanders gibt es schöne Töchter."

"Werbefeindlich"

Nach Ansicht von Peter Lammerhuber, Geschäftsführer der Media-Agentur Mediacom, ist indes das ORF-Gesetz mit seinen Werbebeschränkungen "werbefeindlich": Man dürfe den dualen Rundfunkmarkt "nicht auf dem Rücken der Werbewirtschaft und der Gesamtwirtschaft" fördern. Für die Entwicklung des dualen Systems gebe es andere Modelle, etwa Gebührensplitting.

Der Bundeskommunikationssenat (BKS) hat in zahlreichen Verfahren Verstöße des ORF gegen die gesetzlichen Rahmenbedingungen geortet. Einige Regeln, wie etwa Unterbrecherwerbung bei Sportereignissen sowie die Kennzeichnung von Patronanz-Sendungen, sollen demnächst mit einer Gesetzesnovelle wieder etwas gelockert werden. Nach ORF-Angaben sind ihm durch die BKS-Spruchpraxis bereits 24 Mio. Euro an Einnahmen entgangen. Ein Betrag, den Alfred Grinschgl, Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) am Donnerstagabend allerdings bezweifelte: "Aber der ORF kann das bewerten, wie er will." (APA)

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