Grüne wollen Hochschulgesetz verzögern

7. November 2005, 15:10
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Brosz: Zustimmung ist "absolut undenkbar" - Grünewald: Hochschulrat bestehe größtenteils aus Gehrer "wohlgesonnen" Personen

Massive Kritik am Hochschulgesetz 2005 zur Umwandlung der Pädagogischen Akademien in Hochschulen kommt von den Grünen. In einer Pressekonferenz am Freitag kritisierte Bildungssprecher Dieter Brosz, dass die Forderungen der Zukunftskommission für das Schulwesen mit dem Gesetzesentwurf nicht erfüllt seien. Es sei für die Grünen "absolut undenkbar", dem Gesetz im Parlament zuzustimmen. Die Oppositionspartei will mit Hilfe der SPÖ im Bundesrat das Gesetz zumindest verzögern, erklärte Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald.

"Verein der Heimatdichter"

"Dieses Gesetz lässt sich nun in Form einer Realsatire abhandeln. Lustig ist es aber nicht", merkte Grünewald an. Um diese Einschätzung zu bestätigen, zitierte Grünewald aus der Stellungnahme des Bundeskanzleramtes zum Gesetzesentwurf, das "trotz oder wegen ihres Wortreichtums" einer Bestimmung eine "gründliche Überarbeitung" empfiehlt. Grünewald fragte sich, wie man Lehrerausbildung auf höchstem Niveau garantieren könne, wenn schon der Gesetzestext auf niedrigem Niveau formuliert sei. "Da kann man gleich den Verein der Heimatdichter den Gesetzestext schreiben lassen".

Aber den Grünen stoßen natürlich nicht nur die sprachlichen Feinheiten im Entwurf sauer auf, sondern vor allem die damit festgelegten Vorhaben zur Umwandlung der Pädagogischen Akademien (PädAks) in Pädagogische Hochschulen (PH). Man werde alles versuchen, dieses Gesetz zu verhindern, kündigte Grünewald an.

Brosz bedauerte besonders, dass Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) auf einer getrennten Ausbildung der Lehrer beharre - und das trotz sinkender Schülerzahl. Damit laufe sie "mit sehendem Auge gegen die Wand". Denn hier würden Menschen ausgebildet werden, die in den nächsten Jahren keine Chance auf Ausübung ihres Berufes hätten. Zudem liege der Schwerpunkt bei der Lehrerausbildung nach wie vor auf dem fachlichen Bereich und nicht auf der Didaktik.

"Kaltschnäuzig und frech"

Als "kaltschnäuzig und frech" bezeichnete Grünewald die politischen Durchgriffsrechte im Hochschulrat: Denn im fünfköpfigen Rat würden drei Personen direkt von Gehrer und ein Mitglied vom zuständigen Landeshauptmann bestellt. Außerdem ist vorgesehen, dass dieser Rat einen Dreiervorschlag für den Rektor erstellt. Diese drei würden der Ministerin "sicher wohlgesonnene" Personen sein, sie könne sich aus ihnen aber auch noch "die ihr wohlgesonnenste Person" aussuchen, ärgerte sich Grünewald.

PH-Studenten würden sich in Zukunft in einer Sackgasse befinden, da es keine Schnittstelle zwischen PH und Universität gebe, an der die Anrechnung von Bildungsabschlüssen geregelt wird. Mit einer dreijährigen Ausbildung der Pflichtschullehrer bilde Österreich gemeinsam mit Belgien innerhalb der EU das Schlusslicht.

Die Grünen hätten es anders gemacht und plädieren für eine Fusionierung mit den Universitäten - eine Fusion, die den Namen auch verdient, meinte Grünewald. Brosz ergänzte, dass es eine gemeinsame Grundausbildung von pädagogischen Berufen geben solle, weiters müssten Fragen der Integration eine stärkere Rolle in der Ausbildung spielen - ebenso Praxisnähe und Forschung. Und an den Universitäten sollte eine qualitativ hochwertige Ausbildung für alle Erziehungsberufe angeboten werden. (APA)

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