Modellbau-Messe: Hobby für Kinder und Nietenzähler

27. Oktober 2005, 19:34
4 Postings

Die Kunst der Reproduktion der Wirklichkeit noch bis 30. Oktober im Wiener Messezentrum

Wien - Im Kultroman "Per Anhalter durch die Galaxis" erschafft Slartibartfaß ein 1:1-Modell der Erde. Ganz so gigantomanisch geht es auf der Modellbau-Messe in Wien nicht zu, dennoch ist es erstaunlich, was sich alles in kleineren Maßstäben nachbauen lassen kann. Neben den klassischen Modelleisenbahnen tauchen ferngesteuerte U-Boote durch Wassertanks. Modellflugzeuge ziehen in einem gesicherten Bereich der Halle ihre Bahnen. 160 Aussteller präsentieren sich.

Am Nationalfeiertag, dem ersten Messetag, waren die Hallen trotz Truppenparade und schönen Herbstwetters gut gefüllt. "Wir sind sehr zufrieden", bestätigt Messesprecherin Christine Widmann.

Anfang der Woche, wenige Tage vor der Eröffnung der "Leistungsschau im Kleinmachen", waren die Miniaturwelten der Modelleisenbahnklubs noch Baustellen. Am Stand eines Modellbauklubs waren da etwa einige ältere Herren zusammengelaufen, eine heftige Diskussion war entbrannt. Das kennt Walter Sobotka, Obmann des Mödlinger Modelleisenbahnclubs (MEC) auch aus dem eigenen Verein. "Es gibt schon Extremisten unter den Modellbauern." Sobotka nennt sie "Nietenzähler", weil sie die Nieten an einer Originaldampflok zählen und dann überprüfen, ob das Modell auch tatsächlich jede einzelne Niete aufweisen kann.

Naturgetreu nachbauen So viel Pedanterie kennt der Mödlinger nicht, auch wenn er selbst bis zu 20 Stunden in der Woche bei seinen Modellzügen verweilt. Ein Glück, dass die Freundin auch ein Hobby hat. Auf Naturtreue wollen aber auch der MEC-Obmann und sein Club nicht verzichten. Den Bahnhof St. Gilgen haben die Klubmitglieder anhand von Fotos und Bauskizzen schon genau nachgebaut. Die Lokomotiven und Wagons müssen künstlich gealtert werden, damit sie nicht aussehen, wie "aus der Waschmaschine".

Ganz billig ist der Spaß mit den kleinen Stahlrössern nicht. In Spitzenjahren habe er bis 90.000 Schilling (6540 Euro) für sein Hobby ausgegeben, erzählt Sobotka. Mit elf Jahren hat er seine seine erste Modellbahn geschenkt bekam. Für Messen wie die "Modellbau" nimmt er Urlaub.

Zu den "Nietenzählern" zählt sich Sobotka nicht. Der Spieltrieb will auch befriedigt werden. Natürlich würde ein ordentlicher Modellbauer nie mit seiner Modellbahn einfach nur spielen. Vielmehr benutzt man den Begriff "Betrieb machen".

Die Modellbau-Messe in Wien hat noch bis 30. Oktober geöffnet. (ran, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Oktober 2005)

Link
Fluc
  • Am liebsten Marke "Eigenbau": Modellbauer haben hohe Ansprüche - viele haben schon Zeit, sie zu erfüllen.
    foto: standard/urban

    Am liebsten Marke "Eigenbau": Modellbauer haben hohe Ansprüche - viele haben schon Zeit, sie zu erfüllen.

Share if you care.