Erste Bank steht vor Österreichs größtem Auslandsdeal

15. November 2005, 19:56
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Im Rennen um die größte rumänische Bank BCR hat die Erste Bank nur noch einen Rivalen - Kommt der Deal zustande, wäre das die größte Auslandsinvestition Österreichs

Wien/Bukarest - Die Erste Bank ist drauf und dran, den größten Auslandsdeal zu landen, den ein österreichisches Unternehmen je durchgezogen hat. Das Institut ist ins Finale für den Kauf der größten rumänischen Bank, der BCR (Banca Comerciala Romana), gekommen. Mit im Rennen ist nun nur noch der portugiesische Bieter Millennium BCP, dem auf dem Markt jedoch weniger Chancen als den Wienern eingeräumt werden.

Laut informellen Informationen soll die Erste Bank mehr als drei Mrd. Euro für die BCR-Mehrheit geboten haben. Die BCR verfügt über einen Marktanteil von 25 Prozent und Aktiva im Wert von 7,2 Mrd. Euro. 2004 erwirtschaftete sie einen Reingewinn von 121 Mio. Euro. Sie hat zuletzt rund 12.000 Mitarbeiter beschäftigt.

AVAS ist Hauptaktionär

Hauptaktionärin der BCR ist die rumänische Privatisierungsagentur AVAS, die 36,9 Prozent der Aktien hält. 25 Prozent plus zwei Aktien gehören der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und der Weltbank-Tochter International Finance Corporation. Acht Prozent der Anteile werden von Mitarbeitern gehalten, 30 Prozent von Finanzinvestoren.

Klappt der Deal, so würden bei einer Totalübernahme nicht nur die Dimensionen aller bisherigen Bankenzukäufe der Erste Bank in Osteuropa zusammen gesprengt. Darunter waren große Brocken wie Ceská Sporitelna, Slovenská Sporitel'na oder Postabank Ungarn. Um Preise, wie sie nun für die BCR kolportiert werden, hat überhaupt noch kein Kauf durch Österreicher stattgefunden. Die bisher größte Auslandsakquisition war die Übernahme des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom durch die OMV - um rund 1,5 Mrd. Euro.

Kapitalerhöhung notwendig

Der Wert der zur Privatisierung anstehenden 61,9 Prozent an der BCR wird von Analysten auf 3,4 Mrd. Euro geschätzt, der Gesamtwert würde sich demnach auf 5,5 Mrd. Euro belaufen. Um diesen Riesenbetrag zu finanzieren, wird die Erste voraussichtlich eine milliardenschwere Kapitalerhöhung durchführen. Laut Bankchef Andreas Treichl, der zu solchen Themen naturgemäß nichts sagt, soll die Erste Privatstiftung, mit rund 32 Prozent größte Einzelaktionärin der Bank, weiterhin eine "wichtige Rolle" spielen.

Finanzkreise gehen davon aus, dass die Erste Bank mehr als eine Milliarde Euro über die Emission junger Aktien beschaffen könnte, manche gehen sogar von zwei bis zu 2,5 Mrd. Euro via Kapitalerhöhung aus. "Der Markt nimmt das zurzeit locker", sind Experten überzeugt. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung der börsennotierten Erste Bank beträgt zurzeit etwas mehr als zehn Mrd. Euro.

Solange das Rennen um die BCR noch nicht entschieden ist, behält die Erste ihr zweites Eisen im rumänischen Feuer: Sie bietet auch um die, mit fünf Prozent Marktanteil weitaus kleinere, Sparkasse CEC mit. Der Kaufpreis wird von Finanzexperten auf 450 bis 650 Mio. Euro geschätzt. (APA/Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2005)

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