Schubhäftlinge in brennenden Zellen eingeschlossen

3. November 2005, 11:09
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Möglicherweise wegen Sicherheitsmängel sind bei einem Brand am Amsterdamer Flughafen Schiphol elf Schubhäftlinge ums Leben gekommen

Den Haag/Schiphol - Politiker zeigten entsetzte Reaktionen und forderten gründliche Aufklärung: Durch einen Brand in einem Zellentrakt des Amsterdamer Flughafens Schiphol sind in der Nacht zum Donnerstag elf ausländische Häftlinge getötet worden. Ein geretteter Gefangener warf dem Wachpersonal zögerliches Verhalten vor. Die Brandursache war vorerst noch unklar, allerdings hielt die Polizei Brandlegung nicht für ausgeschlossen.

Der Gebäudeteil, in dem das Feuer entstanden war, hatte 24 Zellen, in denen 43 Häftlinge eingeschlossen waren. Im gesamten Komplex waren zu dieser Zeit rund 350 Gefangene, zumeist mutmaßliche Drogenschmuggler und illegale Einwanderer. Der Trakt sei auf einer Länge von 50 Metern niedergebrannt, sagte ein Feuerwehrmann. Augenzeugen berichteten, die Flammen hätten mehrere Meter hoch aus den Zellen gelodert.

Die 60 Feuerwehrleute brauchten drei Stunden, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Für elf der Insassen kam jede Hilfe zu spät, 15 weitere wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Da die Sicherheit in der gesamten Anstalt nicht mehr garantiert werden konnte, wurden die Schubhäftlinge mit Bussen in andere Gefängnisse gebracht.

Der Bürgermeister der Gemeinde Haarlemmermeer, auf deren Gebiet der Flughafen liegt, kündigte eine Untersuchung an. Schon kurz vor der Eröffnung des Zellenkomplexes vor drei Jahren hatte es dort gebrannt. In dem Gefängnis gibt es keine Einrichtung zur zentralen und gleichzeitigen Öffnung aller Zellen im Notfall. Die Wachebeamten mussten alle Türen einzeln entriegeln, um die Insassen zu retten. Ein Häftling beschuldigte das Personal, das Feuer unterschätzt und die Zellen zu spät geöffnet zu haben.

In aller Eile gebaut

Der Zellenkomplex war vor drei Jahren in aller Eile aus Fertigbauteilen errichtet worden. Anlass war die stark gestiegene Zahl von Suchtgiftschmugglern, die zumeist mit verschluckten Drogen-Transportsäcken auf dem Flughafen festgenommen werden.

Ministerpräsident Jan Peter Balkenende sagte, er sei "erschrocken über das Ausmaß dieser Katastrophe". Balkenende betreibt mit seiner konservativen Regierung eine der europaweit strengsten Immigrationsregelungen, um potenzielle Einwanderer abzuschrecken. Die Regierung reagiert damit auf die bei den Niederländern wachsende Ablehnung gegen Einwanderer.

Zu diesem Brand ermittelt auch der unabhängige, aber offizielle "Untersuchungsrat für die Sicherheit". Er wird geleitet von Pieter van Vollenhoven, einem Schwager der Königin Beatrix. Der Rat soll nach Untersuchungen von Katastrophen und Unfällen Vorschläge für die Verbesserung von Schutzmaßnahmen machen. (dpa, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2005)

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