Arbeitszeitpuffer

21. Dezember 2005, 15:03
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Auch wenn McJobs nicht weniger werden, sollte zumindest festgeschrieben sein, wann und wie viel gearbeitet werden darf - von Monika Bachhofer

Nein, befriedigend ist das nicht, das "Dazuverdienen" als Teilzeitarbeitskraft. Bei Frauen, von denen immer mehr als billiger Arbeitszeitpuffer eingesetzt werden, erklärt Teilzeitarbeit etwa die Hälfte ihres stetig wachsenden Einkommensrückstandes. Dass Teilzeitarbeit außerdem noch ein gravierendes Imageproblem als "eben nicht vollwertig" hat, ist da fast schon das geringere Übel. Von den kaum vorhandenen Möglichkeiten, einen Vollzeitjob zu bekommen und beruflich aufzusteigen, erst gar nicht zu reden.

Weil die Arbeitsmarktlage aber gerade für Frauen höchstens dunkelgrau ist, nimmt gerade die unfreiwillige Teilzeitarbeit weiter zu. Lieber mit einem Fuß drinnen als überhaupt draußen vor der Tür, müssen sich viele sagen. Freilich: Als tolle Gestaltungsmöglichkeit des Arbeitslebens können nur die wenigsten (Frauen) diese Jobs erleben.

Schon gar nicht, wenn sie als so genannte "Bedarfsarbeitskraft" zwar faktisch auf Abruf parat stehen muss, jedoch trotzdem oft nicht weiß, wie viel oder wie wenig sie zum Einsatz kommt, also mit wie viel Cash sie am Monatsende dasteht. Kommt nämlich so eine "Bedarfsarbeitskraft" über längere Zeit nicht zum Einsatz, ist im Lohnsack noch schneller Ebbe und auch eventuelle - bei jedem Fixjob unbestritten verankerte - Entgeltfortzahlungen tendieren gegen null.

Dass Arbeitsrechtler nun an einem Präzedenzfall dem Trend zur dauerhaften Flexibilisierungsreserve mit saftigen Lohnzuschlägen einen Riegel vorschieben wollen, scheint da nur logisch. Aber auch wenn McJobs - trotz aller Lippenbekenntnisse der Regierung - nicht weniger werden und auch weiter an den Frauen hängen bleiben, sollte doch zumindest eines festgeschrieben sein: Wann und wie viel gearbeitet werden darf. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2005)

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