Kreidezeit als Modell für Klimawandel

12. Juli 2006, 14:33
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Deutsche Forscher haben Meertemperatur an Hand von Muschelschalen rekonstruiert

Bochum/Marseille - Der Frage, wie das Erdklima bei der steigenden Erwärmung in Zukunft aussieht, sind Forscher der Universität Bochum nachgegangen. Sie haben gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Marseille und Amsterdam das Klima der Kreidezeit untersucht. Vor 120 bis 65 Mio. Jahren herrschten am Mittelmeer tropische Temperaturen, die Polarregionen waren von Wäldern bedeckt und am Nordpol herrschte ein Jahresmittel von 20 Grad. Über die Forschungsergebnisse berichten die Wissenschaftler in der jüngsten Ausgabe des Magazins Nature.

Sauerstoffisotope

Die Wissenschaftler haben anhand der geochemischen Zusammensetzung der Schalen großwüchsiger, schnell wachsender Muscheln erstmals die Veränderung der jahreszeitlichen Temperaturschwankungen des Meerwassers in dieser Zeit rekonstruieren können. Die Muscheln bauten je nach Wassertemperatur unterschiedliche Mengen verschiedener Sauerstoffisotope in ihre Schale ein. Da sie etwa vier Zentimeter pro Jahr wuchsen, lässt sich gut auf jahreszeitliche Temperaturänderungen rückschließen. Das Team um Thomas Steuber vom Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik an der Uni in Bochum hofft mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen Rückschlüsse auf die heutige Situation zu geben.

"Dabei sind die in jüngster Vergangenheit beobachteten globalen Temperaturveränderungen ziemlich unbedeutend, wenn man die Kreidezeit berücksichtigt", so Steuber im pressetext-Interview, denn vor 100 Mio. Jahren waren die Polarregionen von Wäldern bedeckt und in den polaren Flüssen tummelten sich Krokodile. Das Meerwasser der tropischen Breiten war bis zu 36 Grad warm. Zwischen den damals weiter auseinander liegenden Kontinenten Afrika und Europa erstreckte sich ein tropisches Meer mit Riffen.

Hohe CO2-Werte

"Die CO2-Gehalte lagen in der Kreidezeit deutlich höher als heute. Nach Abschätzungen etwa drei bis vier Mal höher als heute", so Steuber, der betont, dass die Periode immerhin 60 Mio. Jahre lang dauerte. Gründe für die hohen Kohlendioxid-Werte waren tektonische Aktivitäten. Die neuen Daten über saisonale Temperaturschwankungen im Meerwasser liefern Informationen über den globalen Wärmetransport zwischen Tropen und höheren Breiten - einem wichtigen Faktor in globalen Klimamodellen.

"Die Ergebnisse belegen, dass die Maxima der Meerwassertemperaturen im tropischen Meerwasser der Kreidezeit nur geringfügig höher waren als heute", erklärt Steuber. Die jahreszeitlichen Temperaturkontraste während der warmen Episode der Kreide waren aber deutlich niedriger als heute, weil die saisonalen Temperaturminima viel höher lagen. "Das steht mit hohen Temperaturen in polaren Breiten in Einklang", erklärt der Experte, der betont, dass es in der Kreidezeit auch kühlere Zeitabschnitte, deren jahreszeitliche Temperaturspannen ziemlich genau mit den heutigen übereinstimmen, existent waren. "Damals gab es auch Eis in den polaren Regionen."

Klimawandel

"Wie das Klima auf einer Erde ohne vereiste Pole und mit stark erhöhten CO2-Konzentrationen der Atmosphäre letztendlich funktioniert, wird allerdings noch sehr kontrovers diskutiert", so Steuber. Unbestritten bleibt für den Wissenschaftler die Tatsache, dass menschliche Aktivitäten und damit steigende Emissionen zur Erwärmung beitragen. "Es gibt allerdings noch zahlreiche andere Rätsel im Klima der Kreidezeit", meint Steuber abschließend. (pte)

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