Intensivpflege für junge Arbeitslose

7. November 2005, 14:30
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Langzeitarbeitslosigkeit bei Jugendlichen soll bald der Vergangenheit angehören - Das AMS will ab November spezielle Trainer einsetzen

Wien – Mit einem neuen Intensivbetreuungsprogramm will das Arbeitsmarktservice (AMS) das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit bei Jugendlichen in Österreich aus der Welt schaffen. Mit finanzieller Unterstützung der Wirtschaftskammer sollen alle derzeit rund 1500 Langzeitarbeitslosen bis Ende 2006 eine Beschäftigung gefunden oder eine echte Berufsausbildung gestartet haben.

Vorbild Niederlande

Vorgestellt wurde das Programm am Donnerstag von AMS-Chef Herbert Buchinger und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. Nach Vorbild ähnlicher Initiativen in den Niederlanden sollen dabei dem "harten Kern" arbeitsloser Jugendlicher (15 bis 24 Jahre) spezielle Trainer und Coaches zur Seite gestellt werden, die sie beim (Wieder-)Eintritt ins Berufsleben betreuen sollen.

Das Programm startet noch im November. Als Erfolg wird gewertet, wenn der Jugendliche mindestens für vier Monate Beschäftigung findet und davon zwei Monate ohne die Begleitung eines Coaches auskommt, sagte Buchinger. In den Niederlanden wurden so Erfolgsquoten von 65 Prozent erzielt.

Betriebe finden

Knackpunkt des Programmes ist, ob es gelingt, Betriebe in ausreichend großer Zahl zu finden, die langzeitarbeitslosen Jugendlichen eine Berufschance geben wollen. Neben der ethisch-moralischen Haltung, an die Leitl mehrfach appellierte, soll dies durch finanzielle Anreize erleichtert werden. Betrieben werden dabei aus öffentlichen Mitteln für ein Jahr bis zu zwei Drittel der Lohn- und Lohnnebenkosten ersetzt, so sie einen Langzeitarbeitslosen einstellen. Insgesamt entstehen dadurch Kosten von bis zu 7,5 Mio. Euro, 1,4 Mio. Euro davon trägt die Wirtschaftskammer.

Als langzeitarbeitsloser Jugendlicher gilt, wer bereits länger als sechs Monate auf Jobsuche ist. Im Durchschnitt liegt in dieser Altersgruppe die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit bei rund 65 Tagen – und ist damit "einsame Spitze" im EU-Vergleich, sagte Buchinger.

Mehr Lehrstellen

Zu einer positiven Trendwende scheint es indes auf dem Lehrstellenmarkt gekommen sein. Erstmals seit langer Zeit gibt es im Herbst, wenn neue Jugendliche auf den Arbeitsmarkt drängen, wieder einen deutlichen Zuwachs an offenen Lehrplätzen, vermeldet die Wirtschaftskammer. Die "Lehrstellenlücke" ist bis Ende Oktober 2005 auf unter 3500 gefallen. Mit 25. Oktober standen 4224 sofort verfügbaren offenen Lehrstellen 7704 Lehrstellensuchende gegenüber. Vor einem Jahr hatte diese Lücke etwa 6000 Stellen betragen. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2005)

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