Robert Hoyzer packt alles aus

2. November 2005, 15:55
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Skandalschiedsrichter bestätigt im Wesentlichen seine Schuld - "Wett-Pate" Ante Sapina gibt sich reumütig

Berlin - Der angeklagte ehemalige deutsche Schiedsrichter Robert Hoyzer hat im Prozess um manipulierte Wetten und Fußballspiele gleich zu Beginn seiner Aussage seine Schuld "im Wesentlichen" bestätigt. Er bestritt aber, selbst die Initiative ergriffen zu haben. Bis auf Kleinigkeiten sei alles richtig, sagte der 26-Jährige am vierten Prozesstag zur Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, die zu großen Teilen auf seinen eigenen Aussagen beruht.

Hoyzer wird beschuldigt, in elf Fällen an Spiel-Manipulationen im deutschen Fußball beteiligt gewesen zu sein. Zuvor hatte Richterin Gerti Kramer am Mittwoch die Befragung und die schriftlichen Einlassungen der ebenfalls angeklagten kroatischen Brüder Sapina abgeschlossen.

In der mit Spannung erwarteten Aussage vor dem Landgericht Berlin wies Hoyzer klar darauf hin, dass Ante Sapina, der als Hauptbeschuldigter wegen "gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs" gilt, den Kontakt zu ihm bewusst für seine Zwecke hergestellt habe. Dagegen hatte Sapina ausgesagt, Hoyzer habe sich ihm angeboten. Über Tomislav Cirko, Cousin der Sapinas und Geschäftsführer des Cafe King, sei im März 2004 das Kennenlernen gelaufen, berichtete Hoyzer.

Cirko hatte sich Hoyzers Schiedsrichter-Trainingsgruppe in Berlin-Charlottenburg angeschlossen. Schon in ersten Gesprächen im Cafe King habe sich Ante Sapina erkundigt, "wie das als Schiedsrichter so läuft und was man verdient", berichtete der Skandal-Referee.

Er habe sich gewundert, dass so zeitig so eine Nähe mit damals eigentlich noch fremden Personen bestand: "Das hat mich stutzig gemacht", bemerkte Hoyzer, der ohne Unterstützung seiner beiden Anwälte und nur mit einem Stichwortzettel am Zeugentisch aussagte. Der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bereits ausgeschlossene und auf Lebenszeit gesperrte Schiedsrichter schilderte jedes Detail vom ersten Kontakt mit den Brüdern Sapina. So habe sich Ante über die DFB-Homepage "mein Profil aufgerufen". Er sei damals jung, vielleicht naiv und unbedarft gewesen. Hoyzers Ausführungen über seine Manipulations-Beteiligung werden mehrere Prozesstage in Anspruch nehmen.

Er habe zwar auch schon vor seiner immer enger werdenden Beziehung zu den Sapina-Brüdern auf Fußballspiele gewettet, "mal verloren, auch mal gewonnen", erzählte Hoyzer. Allerdings habe es sich da um kleine Beträge gehandelt. So habe er bei Oddset einmal fünf Mark gesetzt und 60 Mark gewonnen. Im Cafe King kam er erstmals mit der anderen Dimension der Fußball-Wetten in Berührung: Ante Sapina und Cirko zeigten Hoyzer einen Wettschein, mit dem 47.000 Euro gewonnen wurden.

"Wett-Pate" Ante Sapina entschuldigte sich am Ende seiner Ausführungen mit tränenerstickter Stimme bei allen Angeklagten des Prozesses. Sapina richtete seine Entschuldigung u.a. an seine Familie, alle verdächtigten Spieler, Schiedsrichter und Freunde sowie den gesamten deutschen Fußball: "Es tut mir Leid, dass ich den Fußball ausgenutzt habe, um bei Wetten zu gewinnen, dass ich die Dimension einfach nicht erkannt habe, die ich ins Rollen gebracht habe." (APA/dpa)

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