Vom Arme-Leute-Fusel zum Exportschlager

23. November 2005, 08:35
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Tequila ist ein ähnlich behütetes Markenprodukt wie schottischer Whisky oder französischer Champagner

Einst galt er als Arme-Leute-Fusel, doch inzwischen ist er ein mexikanisches Vorzeige-Produkt. Der Tequila hat einen beispiellosen Aufschwung erlebt. Das dürfte zum einen daran liegen, dass Tequila seit 1994 ein ähnlich behütetes Markenprodukt ist wie etwa der schottische Whisky oder der französische Champagner. Zum anderen aber hat sich der Tequila mit Erfolg das Image eines Mode-Produktes zugelegt.

Seinen Ursprung hat der Tequila im mexikanischen Bundesstaat Jalisco: Der Ort Tequila liegt nordwestlich der Hauptstadt Guadalajara. Hier wurde vor mehr als zwei Jahrhunderten das Verfahren erfunden, mit dem aus den Herzen der Agaven ein hochprozentiger Alkohol gebrannt werden kann. Wenn die Agaven-Felder eine blaue Färbung annehmen, beginnt die Zeit der Ernte. Doch gibt es dafür keinen Jahres-Rhythmus. Agaven lassen sich Zeit fürs Reifen - zwischen sieben und zwölf Jahre.

Die Tequila-Produktion erfolgt dagegen im Zeitraffer. Die Blätter werden vom Kernstück der Agave abgeschlagen. Zuständig ist der "jimador", der den richtigen Zuckergehalt gewährleistet. Dann werden die Kernstücke, die auch als "pinas" bekannt sind, mit einem Messer entzwei geschlagen. Den Rest erledigen für gewöhnlich Maschinen. Die "pinas" werden geröstet und geschreddert, bevor der Saft herausgepresst und in großen Tanks für die Gärung gesammelt wird. Nur bei einer Handvoll Traditionsbetrieben erfolgt das Pressen des Saftes noch in alten Steinmühlen, die anderen nutzen lärmende Stahlmaschinen.

Der Boom setzte in den 90er Jahren ein, als es vor allem in den USA in Mode kam, sich den mexikanischen Hochprozentigen hinter die Binde zu gießen.

Im Laufe der Zeit fanden auch die weltweit operierenden Großkonzerne der Alkohol-Industrie Geschmack an dem mexikanischen Produkt. Das älteste der großen Tequila-Labels, Sauza. Nur das Unternehmen Herradura, nach eigenen Angaben Marktführer in Mexiko, ist noch ein traditioneller Familienbetrieb.

Der Regulierungsrat lässt nur zwei Tequila-Qualitäten zu - entweder mit 100 Prozent Agavenanteil oder mit mindestens 51 Prozent. Bei dem Hundertprozentigen gibt es dann noch drei Abstufungen nach dem Alter: transparenten Blanco, den leicht gefärbten Reposado, der zwei Monate im Fass gereift sein muss, und den dunkleren Anejo mit einer Reifezeit von einem Jahr. (apa/red)

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