Bis dass der Tod sie scheidet

29. November 2005, 19:29
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Bernie Ecclestone wird 75, hat ein Faible für Geldvermehrung und bleibt dem Zirkus weiter erhalten: "Höre erst auf, wenn ich sterbe"

Wien - Mit einer Größe von 1,58 m zählt Bernie Ecclestone zwar zu den Kleinsten im Fahrerlager, dennoch blicken dort alle ehrfurchtsvoll zu ihm auf. Der Brite hat mit sensationellem Geschäftssinn, taktischem Geschick, Weitblick und Autorität die Formel 1 zu einem Milliarden-Geschäft geformt. Ein Ende seiner Ära als "Mister Formel 1" ist nicht in Sicht, vor seinem 75. Geburtstag am Freitag meinte Ecclestone: "Ich bin und bleibe ein echter Racer. Ich höre erst auf, wenn ich sterbe."

Im GP-Zirkus genießt Ecclestone riesigen Respekt, auch wenn es seit Jahren immer wieder Revolten gegen seine Alleinherrschaft gibt. Die teilweise konträren Interessen der Teams haben bisher den Sturz des Diktators verhindert. "Wenn die Teams die Formel 1 besäßen, dann würden sie sie kaputtmachen. Die können sich doch auf überhaupt nichts einigen", lästerte er. Auch wenn die Automobilwerke inzwischen an einer Alternative arbeiten, sieht Ecclestone in der angedrohten Konkurrenzserie keine echte Gefahr.

Schumacher vertraut dem Chef

Zu Ecclestones großen Befürwortern gehört auch Rekord-Weltmeister Michael Schumacher. "Alles, was Bernie macht, hat Hand und Fuß. Er ist der Chef, derjenige, der die Formel 1 erfunden hat. Wir wissen, dass wir uns auf ihn verlassen können."

Vom Renn-Bazillus war der am 28. Oktober 1930 in Ipswich als Sohn eines Fischkutterkapitäns geborene Bernard Charles Ecclestone schon als Jugendlicher befallen. Mit 16 Jahren stieg er in den Motorradsport ein und assistierte damals sogar als Co-Pilot des Seitenwagen-Weltmeisters Eric Oliver. Große Erfolge blieben nach dem Umstieg von zwei auf vier Räder aus. Nach einem schweren Unfall in einem Formel-3-Boliden in Brands Hatch beendete Ecclestone seine bescheidene Karriere.

Aufgestiegener Gebrauchtwagenhändler

Der gelernte Chemieingenieur spürte, dass sein Talent eher im Wirtschaften lag. Er bewies einen beeindruckenden Geruchssinn für im Laufe der Zeit gigantische Ausmaße annehmende Geschäfte rund ums Automobil. Schon als Gebrauchtwagenhändler brachte es Ecclestone in London zu Wohlstand. Parallel zu seinem Beruf betätigte er sich als Besitzer des Connaught-Teams. Später übernahm er Brabham. Ecclestone, der 1966 Manager des vier Jahre später tödlich verunglückten Österreichers Jochen Rindt wurde, verlagerte seinen Arbeitsschwerpunkt immer mehr in die Formel 1.

Der von ihm 1971 betriebene Zusammenschluss der Teambesitzer zur "Formula One Constructors Association" (FOCA) und der Exklusiverwerb der TV- und Vermarktungsrechte sieben Jahre später waren Grundlagen für Macht und Millionen des "Mister Formel 1". Der stark kurzsichtige Ecclestone hatte damit schon früh seinen Weitblick für die märchenhaften Möglichkeiten des mondänen Grand-Prix-Zirkus bewiesen.

Drahtzieher und Macher

Auch wenn Ecclestone inzwischen 75 Prozent seiner Formel-1-Holding SLEC an ein Bankenkonsortium verkauft hat, ist er immer noch der Drahtzieher und Macher in der Königsklasse des Motorsports. Als Vizepräsident des von seinem Freund Max Mosley geführten Internationalen Automobil-Verbandes FIA hat sich der gewiefte Taktiker auch Einfluss auf der "anderen Seite" gesichert.

Mit angeblich 2,4 Milliarden Pfund (3,53 Milliarden Euro) Privateigentum ist Ecclestone laut der Zeitung "Sunday Times" der sechstreichste Brite. Obwohl sich "Mister E", wie ihn seine Angestellten respektvoll nennen, damit ein Leben in Saus und Braus leisten könnte, bevorzugt er eigenen Angaben zufolge eher die Bescheidenheit: "Wir leben ein ganz normales Leben, ohne Glamour oder Partys." In einem Londoner Nobelviertel bewohnt Ecclestone mit seiner 30 Jahre jüngeren Frau Slavica, einem ehemaligen Top-Modell, sowie den beiden Töchtern Tamara und Petra eine Villa.

"Mein Herz hängt am Motorsport"

Kontrolliert das Arbeitstier nicht gerade auf einer Rennstrecke akribisch das Grand-Prix-Geschehen, organisiert es von seinem Londoner Büro aus die gut gehenden Geschäfte. Die Möglichkeit zur grenzenlosen Geldvermehrung treibt Ecclestone neben der Liebe zum Motorsport an. "Ich würde auch als Blumenhändler versuchen, so gut wie möglich abzukassieren. Doch mein Herz hängt am Motorsport", versicherte er. Einmal gefragt, ob ihm eine Million Freunde oder eine Million Dollar lieber wären, sagte der für seinen bissigen Humor bekannte Brite: "Eine Million Freunde - und jeder schenkt mir zehn Dollar."(APA/dpa)

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    "Ich würde auch als Blumenhändler versuchen, so gut wie möglich abzukassieren"

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