Österreicher mit wenig Vertrauen in Regierung und Parteien

31. Oktober 2005, 11:15
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Topplatz für Verfassung und Polizei - Einsatz für soziale Gerechtigkeit wichtigester Wahlgrund - Mit Infografik

Wien - Wenig Vertrauen bringen die Österreicherinnen und Österreicher der Regierung und den politischen Parteien entgegen. Mit einem Mittelwert von 3,4 bzw. 3,3 (1="überhaupt kein Vertrauen", 7="sehr großes Vertrauen") liegen sie am Ende einer Liste abgefragter öffentlicher Institutionen. An der Spitze liegt die österreichische Verfassung (5,1) vor der Polizei (4,8) und den Gerichten (4,7). Das geht aus einer Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS) hervor.

67 Prozent der Befragten hätten der Verfassung - dazu zählen auch die Höchstgerichte - die Noten 5 bis 7 gegeben, so Dietmar Hoscher von SWS. Erstaunlich sei auch, dass der öffentliche Dienst (4,5) im Unterschied zur veröffentlichten Meinung positiv gesehen werde. In den Block vertrauenswürdiger Institutionen fallen auch noch die Nationalbank, das Bundesheer und der ÖGB.

Parlament schneidet schlecht ab

Einen "sehr enttäuschenden Wert" gebe es mit 3,9 auch für das Parlament, so Hoscher. Auch Radio und Fernsehen bringen es nur auf 3,7, aber auch religiöse Institutionen liegen mit 3,6 Prozent in jenem Block, dem die Österreicher nur wenig Vertrauen entgegenbringen. Ganz am Ende liegen die multinationalen Konzerne (2,9).

Was die Gründe betrifft, eine politische Partei zu wählen, steht indes der Einsatz für soziale Gerechtigkeit ganz vorne. 73 Prozent der Befragten gaben hier "sehr wichtig" an und 24 Prozent "ziemlich wichtig". Unterschiede gibt es hier allerdings unter den Anhänger der verschiedenen Parteien. So ist dieser Wahlgrund für 82 Prozent der SPÖ-Sympathisanten "sehr wichtig", für 81 Prozent der Grünen und FPÖ-Anhänger, aber nur für 61 Prozent der ÖVP- und 51 Prozent der BZÖ-Anhänger.

Religiöse Einstellung kaum ausschlaggebend

Ein "sehr wichtiger" bzw. "ziemlich wichtiger" Wahlgrund ist für die 95 Prozent der Österreicher auch der Einsatz für österreichische Interessen, für 94 Prozent das Ankämpfen gegen Korruption und für 95 Prozent der Einsatz für Sozialleistungen. Die religiöse Einstellung der Parteien ist dagegen kaum mehr ausschlaggebend. Nur für 30 Prozent ist das ein "sehr wichtiger" bzw. "ziemlich wichtiger" Wahlgrund, für 68 Prozent dagegen "weniger" bzw. "gar nicht wichtig".

Was die Behaltequote der politischen Parteien betrifft, ist diese übrigens bei der SPÖ mit 76 Prozent am höchsten. Dann folgt die ÖVP mit 71 Prozent, Grüne mit 67 Prozent und FPÖ mit 45 Prozent. (APA)

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