Auch Microsoft will Bücher digitalisieren

4. November 2005, 16:13
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In Allianz mit Yahoo, Adobe und Hewlett Packard

Nach dem Internetkonzern Google will nun auch der US-Softwareriese Microsoft in einer eigenen Allianz mit anderen Unternehmen in die groß angelegte Digitalsierung von Büchern einsteigen. Microsoft werde als Mitglied der im vergangenen Monat gegründeten Open Content Alliance (OCA) zunächst 150.000 ältere Werke im Laufe des nächsten Jahres digital erfassen und zugänglich machen, erklärte Danielle Tiedt, Managerin des Microsoft-eigenen Suchmaschinenbetreibers MSN. Für Microsoft sei dies nur ein Test, sagte Brewster Kahle, Gründer des "Internet Archive" und Organisator der OCA während des ersten öffentlichen Treffens der Allianz in San Francisco. "Das ist erst der Anfang", betonte er aber.

Schlüsselmomenten der Menschheitsgeschichte

Kahle verglich die Zusammenarbeit von Bibliotheken, Verlagen und Technologiefirmen mit Schlüsselmomenten der Menschheitsgeschichte wie Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks oder der Reise zum Mond: "Wenn wir es schaffen, das Wissen der Menschheit allgemein zugänglich zu machen, wird dies einmal als eines der größten Dinge in Erinnerung bleiben, die Menschen je geleistet haben."

Urheberrechte

Der Vorstoß von Microsoft kommt zu einer Zeit, in der sich auch Widerstand gegen die massenhafte Digitalisierung von Büchern formiert. So sind in der vergangenen Woche fünf große US-Verlage gegen Google vor Gericht gezogen. Ihre Klage zielt darauf ab, das Einscannen von Büchern aus fünf der weltgrößten Bibliotheksbestände - die der Universitäten Oxford, Harvard, Stanford und Michigan sowie der New York Public Library - zu stoppen. Die Verlage sehen darin einen massiven Verstoß gegen Urheberrechte, was Google bestreitet. Der Betreiber der weltweit führenden Suchmaschine will Bücher im Internet wie in einem riesigen elektronischen Karteikasten für die Volltextsuche, aber nicht zum vollständigen Herunterladen verfügbar machen.

Der OCA gehören neben Microsoft auch der Google-Rivale Yahoo, der Softwarehersteller Adobe und der Computerproduzent Hewlett Packard an. Außerdem hätten zahlreiche akademische Bibliotheken dem Projekt zur Digitalisierung und Speicherung von Büchern, Fotos und Videos ihre Unterstützung zugesagt, sagten Vertreter der Allianz. (APA/Reuters)

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