"Protokolle der Weisen von Zion" auf der Frankfurter Buchmesse

3. November 2005, 12:46
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Iran präsentierte antisemitische Propaganda auf Literaturausstellung - Deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt

Frankfurt/Main - Wenige Tage nach dem Ende der 57. Frankfurter Buchmesse sind Vorwürfe laut geworden, iranische Verlage hätten dort Broschüren mit antisemitischem Inhalt präsentiert. Die Leitung der Buchmesse habe von diesen Vorwürfen Sonntagnachmittag - dem letzten Messetag - erfahren, als die Stände schon abgebaut wurden, sagte der Leiter des Internationalen Zentrums der Buchmesse, Peter Ripken, am Mittwoch in Frankfurt.

Die Beschuldigungen hätten sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr verifizieren lassen. Die Buchmesse habe aber die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. "Wir werden Konsequenzen fürs nächste Jahr erörtern müssen - das wäre sonst verantwortungslos."

Der Journalist und Schriftsteller Matthias Küntzel ("Djihad und Judenhass") schreibt in der "Süddeutschen Zeitung" vom Mittwoch unter der Überschrift "Die Protokolle von Zion in Frankfurt", der Iran "betreibt antisemitische Propaganda auf der Buchmesse".

Er habe drei Broschüren auf Englisch präsentiert, "nicht, um die Literatur des eigenen Landes vorzustellen, sondern um den Antisemitismus europäischer und US-amerikanischer Provenienz zu verbreiten". Küntzel fordert die Buchmessen-Leitung auf, eine Teilnahme des Irans an der größten Bücherschau der Welt im nächsten Jahr genau zu überprüfen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat wegen Volksverhetzung und der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten ein Verfahren gegen unbekannt eingeleitet, wie Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel berichtete. Er hält allerdings die Ermittlungen nach der Bücherschau für schwierig.

Während der Buchmesse 2004 hatte das Medieninstitut Middle East Media Research Institut (MEMRI) in Berlin der Buchmesse vorgeworfen, es seien ohne Beanstandungen zahlreiche Bücher aus arabischen Ländern mit antisemitischem Inhalt präsentiert worden. Die Messeleitung sei dagegen nicht eingeschritten, um das Verhältnis zur Arabischen Liga nicht zu belasten. Der Sprecher der Buchmesse, Holger Ehling, hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte ohne Ergebnis. (APA/dpa)

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