Sex für alle!

3. November 2005, 16:57
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Oder lieber Sex "mit allen"? Sex mit allen ist natürlich etwas für Könner, ...

Sex für alle! Kurz hab ich überlegt, den tantenhaften Wiener Gemeindewahlkampf ein bisschen mit zündenden Parolen zu würzen. Oder lieber Sex "mit allen"? Sex mit allen ist natürlich etwas für Könner, deshalb erklär ich jetzt einmal, wie es geht. Zunächst hatte ich Sex mit einem, und dann von leichtsinniger Hingabe ausgelöste Verwirrungen: Herzklopfen, Schuldgefühle und eine brüllende Sehnsucht nach MEHR. War ich verliebt?

Nr. 1 korrigierte mich dahingehend, dass das postkoitaler Zustand hieße. Besagte postkoitale Zustände sind wenigstens nicht langweilig. Das sperrige Wort ließ mich zu Nr. 2 eilen (dem Semiotiker meines Vertrauens, der hier nicht genannt sein soll). Er klassifizierte mich als Hysterikerin, und zwar sei ich eine Perlen-Hysterikerin, die ihren Dreck, gehüllt in schimmerndes Perlmutt, der Öffentlichkeit unter die Nase reibe. Perlen entstehen ja bekanntlich durch Verunreinigungen im Körperinneren. Die Perlen-Hysterikerin kauft aus Tarnungsgründen ihre Perlen bevorzugt beim besten Juwelier der Stadt, meint mein Hysterie-Berater (genau das werde ich auch tun) und empfiehlt mir das Buch "Liebe dein Symptom wie dich selbst".

Liebenswert ist's, wenn sich Menschen mit mir beschäftigen, sonst muss ich das ja immer selbst tun, und ich verliebte mich auf der Stelle in mein sexy Symptom. In diesen Glückstaumel hinein kam der Anruf eines mir unbekannten 3. Mannes, ob ich mit ins Ernst-Happel-Stadion wolle, zuschauen, wie 46.000 Testosteronproduzenten symbolisch über die Flanke ins jungfräuliche Tor von Club Brügge ejakulieren.

Ich hielt Fußball immer für obszön und dachte, das sollen die Männer unter sich ausmachen, aber, ermutigt von meinem lieben Symptom, traute ich mich unter die Grünweiß-Hysteriker. Es war echt so verrückt wie Oper. Rituelle Gesänge, einmal triumphierend, einmal elegisch. Papierschlangen schossen wie weiße Milch auf den Rasen. Leider ejakulierte der Ball in das "falsche" Tor, und traurig schlapp hingen die langen Schals vor den Bäuchen.

Postkoitale Zustände? Seitdem bin ich jedenfalls völlig verliebt in Rapid.

Ihre Cosima Reif, Zufallskolumnistin
(Der Standard/rondo/28/10/2005)

Zufallskolumne
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