Bitte mehr Gas geben

21. Dezember 2005, 15:03
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Unterm Strich werden viele Konsumenten diesen Winter auch für Gas deutlich mehr zahlen müssen als in der letztjährigen Heizsaison

Strom ist teuer wie noch nie, Benzin und Diesel ebenso. Da hört man mit Wohlgefallen, dass einmal auch etwas billiger werden soll - und seien es nur die Netztarife für Gas. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn unter dem Strich werden viele Konsumenten diesen Winter auch für Gas deutlich mehr zahlen müssen als in der letztjährigen Heizsaison.

Zwar hat die Regulierungsbehörde E-Control die Gasversorger gezwungen, per 1. November die Preise für die Gasdurchleitung um durchschnittlich zehn Prozent zu senken. Im Gegenzug haben die meisten Gasversorger in den vergangenen Wochen aber den reinen Energiepreis angehoben oder angekündigt, dies demnächst zu tun.

Zufall oder nicht: Auch bei den von den Energieversorgern angekündigten Preiserhöhungen geht es um einen Satz von durchschnittlich zehn Prozent. Weil der Posten für das Gasnetz nur ein Drittel der Gesamtrechnung ausmacht, der von den Versorgern beeinflussbare Gaspreis aber wesentlich mehr ins Gewicht fällt, müssen sich die Haushalte unterm Strich auf zum Teil schmerzhafte Verteuerungen einstellen.

Zu wenig Wettbewerb

Das teurere Gas mit dem ebenso teuren Öl zu rechtfertigen, wie die Gasfirmen es machen, mag zwar den Verlauf der Preiskurve erklären. Das Preisniveau an sich erklärt dies aber sicher nicht. Dabei ist es einfach: Es gibt schlicht zu wenig Wettbewerb in Österreich. Bei den langfristigen Lieferungen hat die OMV als Alleinimporteur eine marktbeherrschende Stellung.

Eine Ebene darunter tun sich die Gasverteiler untereinander auch nicht wirklich weh. Wie könnte es sonst sein, dass Preiserhöhungen zum selben Stichtag und meist auch noch in derselben Höhe einfach so durchgehen. Hier ist der Regulator gefordert. Er sollte dringend mehr Gas geben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.10.2005)

Von Günther Strobl
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