"Wir sind zu 95 Prozent privat"

16. November 2005, 11:41
7 Postings

Der ÖSV feierte im Wiener Museumsquartier seinen 100. Geburtstag - Davor gab Präsident Peter Schröcksnadel ein Interview

Standard: Die höchsten Repräsentanten des Staates feiern mit dem Skiverband am Nationalfeiertag das Geburtstagsfest. Ist der ÖSV quasi eine staatliche Institution?
Schröcksnadel: Nein, überhaupt nicht. Aber wir sind ein Aushängeschild. So wie die Wiener Philharmoniker, die uns durch den Abend begleiten. Kunst und Sport werden oft als Gegensätze gesehen. Doch wir haben ja viel gemeinsam mit den Musikern, die auch sehr viel trainieren müssen, um erfolgreich zu sein.

STANDARD: Wer hat mehr Gegner draußen in der Welt? Die Philharmoniker oder der Skiverband?
Schröcksnadel: Gegner? Die Philharmoniker haben Mitbewerber, sind in ihrem Metier Weltspitze wie wir. Wir haben genug Gegner. Mannschaftlich sind wir die Besten, aber es gibt mehr erfolgreiche Einzelsportler als früher.

STANDARD: Fördern Sie die Konkurrenz? Die belebt ja angeblich das Geschäft.
Schröcksnadel: Unser Geschäft ist es, gut zu sein. Und es ist nicht so, dass wir alleine sind. Wir haben immer wieder Kooperationen, derzeit mit den Japanern und den Kanadiern. Den USA haben wir geholfen, jetzt sind sie stark, brauchen die Hilfe nicht mehr. Wir reden auch mit Schweizern und Deutschen.

STANDARD: Weshalb wurde für das Geburtstagsfest der Nationalfeiertag gewählt?
Schröcksnadel: Der Termin hat sich zufällig so ergeben. Er passte in unser Programm, und die Halle war frei.

STANDARD: Warum feiert der ÖSV, der in Innsbruck daheim ist, in Wien?
Schröcksnadel: Wir sind nicht der Tiroler Skiverband, sondern der österreichische. Wien ist auch günstiger für unsere Partner und Sponsoren und für die Anreise der internationalen Gäste.

STANDARD: Der ÖSV bezieht doch öffentliche Förderungen.
Schröcksnadel: Wir beziehen Förderungen nur über unseren Skipool. Zusätzlich profitieren wir von Sportschulen wie in Stams oder Schladming. Aber die kommen nicht nur dem Verband zu gute. Zu 95 Prozent sind wir privat.

STANDARD: Sie sind einer der bekanntesten Macher in Österreich. Wann steigen Sie in die Politik ein?
Schröcksnadel: Das habe ich nicht vor. Ich bin zwar kein unpolitischer Mensch, aber auch kein Politiker. Ich versuche, gute Beziehungen zur Politik zu schaffen. Ich habe schon Angebote erhalten, in die österreichische Politik zu gehen, und abgelehnt. Ich werde auch nicht FIS-Präsident. Ich brauche die Basis, die Mannschaft.

STANDARD: Laut ÖSV-Homepage ist der Geburtstag gar nicht so rund. Dort steht, dass er am 4. November 1904 gegründet worden ist. Also wird er am 4. November 2005 schon 101?
Schröcksnadel: Das muss ein Fehler sein. Der ÖSV wurde am 4. November 1905 im Augustinerbräu in München gegründet. Da war ich aber noch nicht dabei.

STANDARD: Was wünschen Sie sich für die nächsten 100 Jahre ÖSV?
Schröcksnadel: Wäre schön, wenn ich es erleben könnte. Jedenfalls wünsche ich mir, dass der Skiverband wirtschaftlich unabhängig bleibt. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 27. Oktober 2005, Benno Zelsacher)

ZUR PERSON:
Der Tiroler Unternehmer Peter Schröcksnadel (64) ist seit 1990 ÖSV-Präsident.

Link

ÖSV

Share if you care.