Grüne Nachwahlwehen

7. November 2005, 17:43
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Bundesrat Schennach vermisst klarere Absage an VP-Politik

Wien - Die Grünen beschäftigt ihr Abschneiden bei der Wiener Wahl noch immer. Dass es richtig war, der ÖVP den Kampf um den zweiten Platz anzutragen, bekräftigt einmal mehr Sicherheitssprecher Peter Pilz: "Gerade in Wien ist die ÖVP schlagbar. Die Grünen hätten sich so ein hohes Ziel setzen müssen, sagte Pilz im Gespräch mit dem STANDARD: "Wir waren viel zu oft überbescheiden."

Das bestreitet auch Bundesrat Stefan Schennach nicht, bloß klingt seine Analyse um einiges kritischer. Schennach hält die ausgerufene Äquidistanz zu ÖVP und SPÖ für einen Fehler - zumindest auf Wiener Ebene: "Ich glaube, dass unsere Wähler mit einer klaren Ansage aufwachen wollen: Das Land hat unter Kanzler Schüssel sechs Jahre lang genug gelitten, und wir treten an, um die ÖVP in die Opposition zu schicken." Diese Ansage habe man in Wien allerdings verabsäumt.

Pilz wirft nun der SPÖ mit Bürgermeister Michael Häupl vor, im Kampf um die FP-Wähler versagt zu haben: "Die SPÖ hat die historische Chance vertan, diese Leute für sich zu gewinnen. Dreimal öffentlich Würstelessen zu gehen ist zu wenig." Die Wiener Grünen würden das Wahlergebnis als klaren Oppositionsauftrag sehen, meint Pilz. Sein Motto lautet nun: "Der Speck muss weg!" Und der sei der "Hochmut der Wiener SPÖ" und deren Selbstgefälligkeit: "Von Hundstrümmerln bis zur Bank Austria - wir haben einen Bürgermeister, der kein Problem lösen kann."

An der Führung bei den Wiener Grünen gibt es für Pilz nichts zu ändern: "Die Maria Vassilakou hat hervorragend gekämpft." Im Übrigen hätten die Grünen ein "eigentlich sehr schönes Problem: Wir sind die einzige Partei, bei der ein Zuwachs von zwei Prozent von manchen als Niederlage gewertet wird." (kob, pm/DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2005)

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