RZB sieht Zeitfenster in Deutschland

15. November 2005, 19:56
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Die Raiffeisen Zentralbank macht sich in Frankfurt breit und nimmt deutsche Mittelständler, die nach Osten expandieren, ins Visier

Nach der Übernahme der (auch in Osteuropa starken) deutschen HVB durch die italienische UniCredit sieht die Raiffeisen Zentralbank (RZB) derzeit "ein gutes Zeitfenster" für eine Deutschland-Offensive. Bisher auf Großkunden fokussiert, hat Raiffeisen nun mittelständische Unternehmen, die in Zentral- und Osteuropa aktiv sind im Auge, kündigte RZB-Chef Walter Rothensteiner am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Frankfurt an.

Die Dienstleistungen der RZB würden bereits jetzt von 23 der DAX-30-Unternehmen in Anspruch genommen, darunter Branchenriesen aus der Auto- und Elektronikindustrie. Innerhalb der nächsten sechs Jahre will die RZB 600 bis 700 deutsche Mittelständer mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro als Kunden gewinnen, sagte der für Firmenkunden zuständige RZB-Vorstand Karl Sevelda.

Repräsentanz in Frankfurt

Als lokale Andock- und Informationsstelle hat die RZB eine Repräsentanz in Frankfurt eröffnet. Dort eingehende Anfragen werden an die Kundenbetreuer der Netzwerkbanken weitergeleitet. Beginnen will man im ersten Jahr mit einem Stock von 80 Firmen, dann sollen pro Jahr rund 100 Neukunden akquiriert werden. Kräftig zulegen will auch die (bereits bestehende) Raiffeisen-Leasing-Tochter in Deutschland.

Die RZB-Vorstände versicherten, die deutschen Banken als Partner und nicht als Konkurrenten bei ihren Aktivitäten zu sehen, zumal die deutschen Institute in Osteuropa nur spärlich vertreten seien. Rothensteiner: "Die deutschen Banken wollen ihre Kunden in Osteuropa gut betreut wissen, aber nicht von der deutschen Konkurrenz."

Dass die RZB in Deutschland möglicherweise auf einen Konkurrenten aus dem eigenen Haus, nämlich die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) stößt, fürchtet Rothensteiner nicht: "Das wird kein Krieg, denn wir betreuen andere Kunden." Die RLB ziele primär auf Kunden in Süddeutschland. "Keine deutsche Bank wird auf Sicht über ein annähernd großes Netzwerk in Osteuropa verfügen wie die RZB", betonte Rothensteiner.

Rumänische Sparkasse im Visier

In Österreich hat die RZB ihren Schwerpunkt im Investmentbanking und bei Firmenkunden. Den Kundenanteil bei den Top-Tausend-Unternehmen in Österreich beziffert Sevelda mit mehr als 40 Prozent.

Die RZB ist über ihre Tochter Raiffeisen International (RI) mit 16 Banken, 2400 Geschäftsstellen in 18 Märkten die größte Bankengruppe in Zentral- und Osteuropa. RI-Chef Herbert Stepic hofft auf den Zuschlag für die rumänische Sparkasse CEC mit 1400 Filialen. Mit der würde die RI das "breite Massengeschäft übernehmen und insbesondere mit Agrarfinanzierungen zum Nahversorger Rumäniens werden". (Claudia Ruff aus Frankfurt, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.10.2005)

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