Kopf des Tages: Ben Bernanke

7. November 2005, 14:22
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Brillanter Denker in den Schuhen einer Legende

Schon im Alter von zwölf Jahren brillierte der von Präsident George W. Bush als Nachfolger von Alan Greenspan als Chef der US-Notenbank nominierte Ben Bernanke bei einem Buchstabierwettbewerb und wurde Regionalmeister. Aber dann scheiterte er 1965 am Wort "Edelweiss" - seine Mutter erklärte das damit, dass der soeben herausgekommene Film "The Sound of Music" in der Kleinstadt Dillon in South Carolina noch nicht lief.

Was ihm offenbar blieb, ist ein unerschütterlicher Glauben an seine Zukunft: Im Vorjahr verkaufte er sein Haus in New Jersey, da er fest davon überzeugt war, Bush würde ihn für das Amt des Fed-Chefs nominieren. Und der als Experte für Inflationserwartungen bekannte Ökonom behielt mit dieser Prognose Recht.

Harvard-Abschluss summa cum laude

Ben Shalom Bernanke wurde am 13. Dezember 1953 in Augusta, Georgia, als Sohn eines Apothekers (und freiberuflichen Theaterdirektors) und einer Lehrerin geboren. Seine Jugend verbrachte er in Dillon, später ging er an die Harvard University, wo er mit summa cum laude abschloss. Sein Doktorat in Wirtschaftswissenschaften erhielt er am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Im Laufe seiner Karriere unterrichtete er unter anderem an den gleichermaßen berühmten Universitäten Stanford und Princeton. Seit 2002 war er Mitglied des Notenbank-Direktoriums; im Juni 2004 ernannte ihn Bush zum Vorsitzenden seines wirtschaftlichen Beraterstabs.

Von seinen Freunden wird Bernanke als ruhiger und gelassener Akademiker bezeichnet, der in Debatten mit scharfen Argumenten und plastischen Vergleichen punktet. Mitarbeiter bei der "Fed" schätzen seine Bescheidenheit - so wurde er auch oft in der Gemeinschaftskantine gesichtet. Bush, der Bernanke vergangenen Freitagabend telefonisch verständigte, sieht ihn als "den richtigen Mann, der auf den Leistungen, die Alan Greenspan etabliert hat, aufbauen kann". Die Bestätigung durch den Senat gilt als äußerst wahrscheinlich.

Baseball

Baseball-Fan Bernanke selbst gelobte, Greenspans Kurs fortzusetzen. Das Einzige, was ihm gegenüber seinem bereits legendären Vorgänger fehlt, ist praktische Erfahrung an der Wall Street. Bernanke selbst sieht auch eine Schattenseite in seinem neuen Job: Er werde nun einen Anzug zur Arbeit tragen müssen.

Der zwar als Republikaner registrierte, aber von seinem Umkreis als eher unpolitisch bezeichnete Wissenschafter stellte schon vor einiger Zeit seine Unabhängigkeit unter Beweis: Als Bush ihn scherzhaft für dessen Kleidung - beige Socken zu einem dunklen Anzug - kritisierte, kaufte er kurzerhand ein Dutzend helle Socken und verteilte sie bei seinem nächsten Besuch im Weißen Haus. Bernankes Frau Anna ist Spanischlehrerin, und seine beiden Kinder, Alyssa und Joel studieren. (Susi Schneider, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.10.2005)

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    "Unpolitischer" Republikaner: Ben Bernanke

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