Konferenz in Ottawa endete ergebnislos

2. November 2005, 08:27
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Keine Abgabe von Grippemedikamenten an ärmere Länder, keine Lockerung des Patentschutzes für Impfstoffe - WHO soll Impfstoff-Vorrat aufbauen

Ottawa - Auf der internationalen Vogelgrippekonferenz in der kanadischen Hauptstadt Ottawa haben sich die Gesundheitspolitiker aus 30 Ländern nicht auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die Krankheit einigen können. Die Konferenz ging in der Nacht auf Mittwoch ohne Verständigung auf Ziele wie die Abgabe von Grippemedikamenten an ärmere Länder oder die Lockerung des Patentschutzes für Impfstoffe und das Mittel Tamiflu zu Ende. Das räumte Kanadas Gesundheitsminister Ujjal Dosanjh vor Journalisten ein.

Mehrere Teilnehmer hatten gefordert, dass die Industriestaaten zwischen fünf und zehn Prozent ihrer antiviralen Medikamente an Entwicklungsländer abgeben. Übereinstimmung gab es nur darüber, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Vorrat an Impfstoffen aufbaut, der bei einer globalen Grippepandemie verteilt werden soll. An diesem Beschluss wird derzeit noch gearbeitet.

Finanzielle Unterstützung für Südostasien

Kanadas Ministerpräsident Paul Martin sprach sich dafür aus, Südostasien finanziell bei der Bekämpfung der Vogelgrippe zu unterstützen. Länder wie Vietnam, Thailand und Indonesien hätten nicht die Mittel, um Bauern im Falle von Erkrankungen ihres Geflügels zu entschädigen. Die arme Landbevölkerung neige dazu, solche Informationen aus Sorge um die Vernichtung ihres gesamten Bestandes nicht an die Behörden weiterzugeben.

Stattdessen würden erkrankte Tiere weiterhin verkauft und verspeist, sagte Martin. Indonesien hatte erst am Dienstag einen weiteren Toten durch den aggressiven Virussubtyp H5N1 gemeldet, den 62. weltweit. Die WHO-Grippeexpertin Margaret Chan warnte vor Panik. "Wir haben noch keine Pandemie, und es ist unnötig, sich jetzt schon Sorgen zu machen", sagte sie in Ottawa.

Hamsterkäufe

Die Panikstimmung in vielen Ländern verleitet Privatleute zu Hamsterkäufen. Aus Angst vor einer menschlichen Variante des Vogelgrippeerregers decken sie sich mit dem Medikament Tamiflu ein. Der Tamiflu-Wirkstoff Oseltamivir gilt als Mittel, das bei einer Infektion mit einem mutierten H5N1-Virus helfen könnte. Das Patentrecht liegt bis 2016 beim Schweizer Pharmaunternehmen Roche. Die kanadische Roche-Niederlassung hat inzwischen wie die deutsche Niederlassung den Vertrieb von Tamiflu gestoppt, um den privaten Einkauf zu unterbinden. (APA/dpa)

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