Wolfgang Schwarz wieder in Haft

30. Oktober 2005, 20:50
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Ehemaliger Olympiasieger soll geplant haben, 18-jährige Millionärstochter zu entführen

Wien - Der Eiskunstlauf-Olympiasieger von 1968, Wolfgang Schwarz, sitzt wieder im Wiener Landesgericht in U-Haft. Wie eine Polizeisprecherin am Mittwoch auf STANDARD-Anfrage bestätigte, steht Schwarz im Verdacht, an der geplanten Entführung einer 18-jährigen Millionärstochter beteiligt gewesen zu sein. Die Ermittlungen laufen wegen versuchter erpresserischer Entführung. Die nächste Haftprüfungsverhandlung hat Untersuchungsrichterin Silvia Liebetreu für den 4. November angesetzt. Zeugen zu der geplanten Entführung einer 18-jährigen rumänischen Millionärstochter, wurden bisher nicht einvernommen, das soll ab dem 10. oder 11. November geschehen.

Aufgeflogen ist die Angelegenheit, weil sich zwei angeblich bereits angeheuerte Komplizen an die Infoillustrierte News gewandt haben. Das Medium informierte die Polizei, vergangenen Freitag klickten für den ehemaligen Spitzensportler auf offener Straße in Wien-Favoriten die Handschellen.

Prozess wegen Menschenhandel und Zuhälterei

Wie berichtet, läuft derzeit gegen Schwarz auch ein Prozess wegen versuchten grenzüberschreitenden Menschenhandels und Zuhälterei. Die Staatsanwaltschaft Wien wirft dem Angeklagten vor, junge Mädchen aus dem Baltikum "vermittelt" zu haben. Die Fortsetzung der Verhandlung ist für den 15. November angesetzt. Bereits im Dezember 2002 war er wegen desselben Deliktes zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Auch Schwarz' Verteidiger Herbert Eichenseder bestätigte am Mittwoch die neuen Vorwürfe gegen seinen Mandanten. "Er ist dazu im Wesentlichen geständig", sagte der Advokat.

Schwarz ist bereits von der zuständigen U-Richterin Silvia Liebetreu umfassend einvernommen worden. Hintergrund der "abenteuerlichen Geschichte" (Eichenseder): Schwarz hatte einem reichen Rumänen sein Haus verkauft. Englische Kriminelle sollen sich laut Eichenseder in weiterer Folge an Schwarz gewandt haben - "da ist die Idee geboren worden, die Tochter des Rumänen zu entführen".

Drei Millionen Euro Angeblich sollten vom Vater des Mädchens drei Millionen Euro erpresst werden. Bevor es dazu kommen konnte, sei die Geschichte aber verraten worden. "Schwarz ist aus derzeitiger Sicht als mutmaßlicher Beitragstäter anzusehen", betonte Eichenseder.

Laut News hätte die Entführung vergangenen Samstag stattfinden sollen. Schwarz soll einem Vermittler aus der Unterwelt bereits 6000 Euro "Vorschuss" gezahlt haben. Dem Olympiasieger von Grenoble drohen nun zwanzig Jahre Haft. (APA, simo, DER STANDARD - Printausgabe, 27. Oktober 2005)

  • Wolfgang Schwarz, hier beim Prozessauftakt vor drei Wochen, soll auch eine Entführung mitgeplant haben.
    foto: standard/fischer

    Wolfgang Schwarz, hier beim Prozessauftakt vor drei Wochen, soll auch eine Entführung mitgeplant haben.

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