Vogelgrippe in Kroatien möglicherweise aus Ungarn eingeschleppt

2. November 2005, 08:26
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EU-Kommission warnt vor Panik - In Österreich flattern dubiose Schutzangebote via Internet und SMS ins Haus

Wien/Zagreb/Brüssel - Von zahlreichen Vogelgrippe-Verdachtsfällen in Nachbarländern Österreichs wurde einer definitiv bestätigt: Die Vogelgrippe in Kroatien wurde möglicherweise aus Ungarn eingeschleppt. Bei den sechs Schwänen die in Kroatien entdeckt wurden, hat ein EU-Labor das Vogelgrippevirus der gefährlichen Variante H5N1 festgestellt, gab die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel bekannt. Ornithologen zufolge dürften die Tiere vor 40 Tagen am Plattensee mit Ringen gekennzeichnet worden sein. Experten erklärten, es sei aber auch möglich, dass die Tiere bereits infiziert waren, als sie vom Plattensee aus weiterflogen.

Lukrative Einnahmequellen

Dubiose "Geschäftsleute" haben offenbar die Vogelgrippe als lukrative Einnahmequelle entdeckt. Die Arbeiterkammer warnte am Mittwoch vor zweifelhaften Vorsorgeangeboten (Medikamente, Schutzmasken), die via Internet und SMS ins Haus flattern. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) rät davor ab, rohe Eier und rohes Geflügelfleisch zu essen. Die EU-Kommission hingegen warnt vor Panik: Die Lebensmittelkontrollen seien so streng, dass man derzeit nicht vor dem Verzehr roher Eier abrate.

Neusiedler See

Der verendete Schwan, der Montagabend beim Neusiedler See in Ungarn gefunden worden war, dürfte hingegen an Altersschwäche gestorben sein. Auch der Tod von Wildvögeln in Rheinland-Pfalz hat nichts mit dem Virus zu tun, die Graugänse sind vermutlich an Rattengift gestorben.

Griechenland: Noch keine genauen Angaben

Zum Vogelgrippe-Verdachtsfall in Griechenland konnte die EU-Kommission noch keine endgültigen Angaben machen. Erste Tests hätten das Vorhandensein des Vogelgrippevirus in den Proben zunächst nicht bestätigt.

China: Neue Fälle

In China hingegen mussten weiterhin vorsorglich Hühner und Enten getötet werden. Peking informierte die Vereinten Nationen, dass in der zentralen Provinz Hunan neue Fälle von Vogelgrippe aufgetreten seien. Abermals habe es sich um den Erreger H5N1 gehandelt, die Lage sei aber unter Kontrolle, hieß es. Vogelgrippe-Fälle wurden in China, dem weltweit bevölkerungsreichsten Land, bereits in den westlichen Provinzen Xinjiang und Qinghai sowie in der Inneren Mongolei im Norden des Landes bekannt.

Insel Reunion: Verdachtsfall

Ein Verdachtsfall von Vogelgrippe beim Menschen wurde Mittwoch auch auf der zu Frankreich gehörenden Insel Reunion vor der Küste Afrikas gemeldet. Von zwei Tests bei dem 43-Jährigen auf den gefährlichen Virus H5N1 sei einer positiv gewesen. Der Erkrankte hatte sich den Angaben zufolge zuvor in Asien aufgehalten.

Zwangslizenz

Mehrere Gesundheitsorganisationen, darunter Ärzte ohne Grenzen, treten für die Massenproduktion von Nachahmeversionen antiviraler Grippemedikamente ein. Sie fordern die Welthandelsorganisation (WTO) auf, ihre Regeln für die Lizenzierung und den Export von Nachahmemedikamenten zu ändern. Laut WTO-Statut können Länder im Fall einer öffentlichen Gesundheitsbedrohung Zwangslizenzen für die Herstellung von patentierten Medikamenten erteilen. Weltweit bemühen sich Staaten derzeit um das Grippemittel Tamiflu. Wegen der regen Nachfrage kommt das Unternehmen Roche möglicherweise mit der Produktion nicht nach.

Für den Fall, dass das Vogelgrippevirus mutiert und daraus eine Influenza-Pandemie entstehen könnte, will Österreich Neuraminidase-Hemmer (dazu gehört auch Tamiflu) für 25 Prozent der Bevölkerung einlagern. (APA, dpa, Reuters, red, DER STANDARD - Printausgabe, 27. Oktober 2005)

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