Salzburger Jazzherbst: "Das Publikum will nur die ganz großen Namen"

3. November 2005, 16:11
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Veranstalter Johannes Kunz setzt auf Mainstream-Stars - darunter Joe Zawinul, Jan Garbarek und Manhattan Transfer

Salzburg - "Ich bin weder an den heimischen noch an den internationalen Avantgarde-Musikern des Jazz interessiert. Es ist schon schwer genug, die Säle mit den Großen des Mainstream-Jazz zu füllen, das Publikum will nur die ganz großen Namen. Experimental-Konzerte, in die 20 Leute kommen, sind sinnlos, das mache ich nicht mehr." Das sagte der Veranstalter des Salzburger Jazzherbstes, Johannes Kunz von Vienna Entertainment. Die zehnte Ausgabe dieses Jazzfestivals wird ab kommenden Freitag, dem 29. Oktober, in Salzburg über die Bühne gehen.

26 Konzerte des Jazzherbstes sollen Salzburg bis zum 6. November zur Jazzstadt machen. Superstars des Mainstream-Jazz wie Roy Haynes, Jason Moran, Brad Mehldau, Benny Golson, Chico Freeman und Antonio Farao, die für den "vom Hurrican verwehten" New-Orleans-Jazzer Roy Hargrove einspringen, Phil Woods, The Manhattan Transfer, Monty Alexander oder McCoy Tyner sollen den Publikums-Andrang von insgesamt 50.000 Besuchern vom Vorjahr noch weiter steigern. Zu Hilfe kommen könnten den Altmeistern des Jazz dabei die klassischen Modernisten, wie etwa Jan Garbarek und das Hilliard-Ensemble, Kontrabass- und Bigband-Star Dave Holland, oder der österreichische Jazz-Recke Joe Zawinul, der mit der WDR-Bigband nach Salzburg kommen wird.

Tanz

Eine Jazztanz-Performance von "The Jazz Tap Ensemble" bringt den Tanz in den Jazzherbst und soll dort eine Tanz-Tradition begründen. 70 Konzerte des angegliederten Salzburger Altstadt-Jazz sowie zwei Jazz-Ausstellungen und eine lange Reihe von Jazz-Filmen - heuer erstmals im Romanischen Keller der Hypo-Bank und bei freiem Eintritt - ergänzen das Angebot dieses Jubiläums-Festivals. "Wachsen wollen wir nicht mehr, jetzt ist Qualitätssicherung angesagt, ich will nur die Besten und zwar so exklusiv wie möglich", erläuterte Kunz.

Der österreichische Jazz ist heuer ebenfalls überwiegend durch den Mainstream vertreten, Oscar Klein, Albert Mair, Erich Kleinschuster oder Daniel Schröckenfuchs werden von den Brüdern Muthspiel und vor allem von einem österreichischen Saxofon-Summit ergänzt. Wolfgang Puschnig, Klaus Dickbauer, Florian Bramböck, Gerald Preinfalk und Christian Maurer werden dabei dem verstorbenen Altmeister Hans Koller ihren "Tribut" erweisen.

Karten begehrt

"Dieser Jubiläums-Jazzherbst ist nicht wiederholbar, so viele Topstars werden wir wohl nie mehr in ein Festival integrieren können", so Kunz. Sein Publikum scheint ihm Recht zu geben, die Konzerte von Manhattan Transfer, Jan Garbarek und den Muthspiels sind ausverkauft, und für jene von Kleinschuster, Zawinul, Mehldau und Holland gibt es nur noch wenige Restkarten.

Das rund eine Mio. Euro große Budget stammt zur Hälfte aus Eintritten, dazu kommen 160.000 Euro Subvention von Stadt, Land und Bund sowie 350.000 Euro von Sponsoren. "Ich versuche neben meinen beiden Hauptsponsoren drei weitere aufzutreiben. Selbst Konzerte von Superstars des Jazz sind ohne Sponsorgeld immer schwerer zu finanzieren", argumentiert der knapp 60-jährige Jazzherbst-Veranstalter.(APA)

Salzburger Jazzherbst: 29. Oktober bis 6. November.

Kartenreservierungen unter 01 / 504 85 00
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    Jan Garbarek

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