EU will befristetes Importverbot für lebende Wildvögel

4. November 2005, 15:16
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Kyprianou fordert auch Impfung von gefährdeten Personengruppen wie Züchtern

Angesichts der sich ausbreitenden Vogelgrippe will die Europäische Kommission ein zeitlich befristetes Importverbot für lebende Wildvögel verhängen. Die Kommission werde am Dienstag ein Importverbot zunächst für die Dauer eines Monats vorschlagen, um Zeit für weitere Studien und Forschung zu haben, sagte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou dem Rundfunksender BBC.

"Wenn dieser Monat vorbei ist, werden wir entscheiden (...) ob wir das Verbot erneuern, ergänzen oder begrenzen." Der Vorschlag solle Tierärzten bei einem Treffen in Brüssel vorgelegt werden. Er dürfte abgesegnet werden. Für die Maßnahme hatten sich vor allem Deutschland und Großbritannien eingesetzt, nachdem ein südamerikanischer Papagei in britischer Quarantäne an dem auch für Menschen gefährlichen Virusstrang H5N1 verendet war.

Reglementierungen

"Wir sprechen von Lebendgeflügel, das aus kommerziellen Zwecken eingeführt wird - also Wildvögel, die gefangen und verkauft werden", sagte Kyprianou. Auch die Lage bei Haustieren, die von individuellen Besitzern eingeführt werden, werde unter die Lupe genommen. Hier gehe es nicht um einen grundsätzlichen Importstopp, sondern um Reglementierungen, sagte Kyprianou.

Zudem hat der Gesundheitskommissar gefordert, zur Abwehr einer drohenden Pandemie durch die Vogelgrippe besonders gefährdete Menschen wie Geflügelzüchter vorsorglich gegen das herkömmliche Grippevirus impfen zu lassen. Damit solle eine mögliche Verschmelzung des Vogelvirus mit der gewöhnlichen Influenza vermieden werden.

Solidaritätsfonds

Durch so eine Vermischung könnte nach Befürchtung von Experten ein Supervirus entstehen, dass so tödlich ist wie die Vogelgrippe und so ansteckend wie die menschliche Influenza. Die Impfung der gesamten Bevölkerung sei aber weder notwendig noch möglich, weil die Industrie die bestellten Mengen bereits heute nicht liefern könne, sagte Kyprianou am Dienstag im Europaparlament in Straßburg.

Der Umweltausschuss des Europaparlaments schlug der Kommission die Gründung eines Solidaritätsfonds vor, aus dem Vorsorgemaßnahmen gegen eine mögliche Grippepandemie finanziert und antivirale Medikamente oder Impfstoffe auch in den ärmeren Mitgliedsländern gekauft werden sollen. Gleichzeitig verlangte der Ausschuss stichprobenartige Untersuchungen von Geflügel und Gesundheitskontrollen an Häfen und Flughäfen. Über den Vorschlag sollen die Abgeordneten am Mittwoch abstimmen. (APA/Reuters/dpa)

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