Konstruktivist Rodtschenko im MAK

3. November 2005, 19:14
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Direktor Noever: "Revolutionär, Pionier und Visionär - das ist nicht zu viel gesagt"

Wien - "Revolutionär, Pionier und Visionär - das ist im Fall von Alexander Rodtschenko nicht zu viel gesagt", würdigte Peter Noever, Direktor des Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK), den russischen Konstruktivisten (1891 - 1956). Die kleine Ausstellung "Raumkonstruktionen" in der MAK Galerie zeigt von 26. Oktober bis 26. Februar 2006 in fünf Werkgruppen unterteilt zentrale Aspekte von Rodtschenkos Arbeit: Oberfläche, Kreis, Linie, Raumbildung und Designarbeiten.

"Rodtschenko hat eine eigene visuelle Sprache entwickelt und auch in Design umgesetzt", erklärte der Enkel des Künstlers, Alexander Lavrentiev, bei der heutigen Presseführung. Anhand von einigen Blätter der Rodtschenko-Stiftung aus Moskau und dem Shusev State Museum of Architecture, Moskau, sowie nachgebauter dreidimensionaler Objekte sind seine Experimente zum Thema Raum im Verhältnis zur Fläche nachzuvollziehen. Leider fehlt es der MAK Galerie an Raumhöhe, um die fragilen hölzernen Raumkonstruktionen so zu hängen, dass alle ihre charakteristischen Schatten werfen können, die das Spiel mit dem Licht und der Oberfläche erst vervollständigen.

Einflussreich

Rodtschenkos revolutionäre Überlegungen zu Fragen der Fläche und des Übergangs der Fläche ins Räumliche, mit denen er zum Mitbegründer des russischen Konstruktivismus wurde, beeinflussen seither die Architektur - obwohl Rodtschenko selber kein praktizierender Architekt war. So beziehen sich etwa Peter Eisenmann oder Zaha Hadid laut Noever auf die Ideen des Russen.

Internationale Aufmerksamkeit erhielt seine Ausstattung eines Arbeiterklubs für die Internationale Kunstgewerbeausstellung in Paris 1925. Zu seinen Lebzeiten zeigte er seine geometrisch-abstrakten Experimente nie öffentlich, um sein Publikum mit deren Radikalität nicht zu überfordern. Noch heute wirken die Blätter in ihrer Konsequenz radikal und Rodtschenkos innovativer Umgang mit Flächen und Linien inspirierend, weil sie den Blick schärfen.(APA)

"Raumkonstruktionen. Formale Experimente von Alexander M. Rodtschenko" Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK).

26. Oktober bis 26. Februar 2006.
  • Alexander Rodtschenko: Entwurf eines Schachbrettes für den "Arbeiterclub", 1925
    foto: rodchenko & stepanova archive/mak

    Alexander Rodtschenko: Entwurf eines Schachbrettes für den "Arbeiterclub", 1925

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