Halloween: Vom englischen Gedenktag zum Massen-Event

2. November 2005, 12:32
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Brauchtum rund um den Kürbis in den USA und der Steiermark - Kultur-Anthropologin gibt Kom­pendium zum Massen­phänomen heraus

Graz - Seit rund einem Jahrzehnt wird auch Österreich von einer Halloween-Welle überrollt. Am Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Universität Graz hat man sich schon vor Jahren dem Phänomen gewidmet und eine entsprechende Ausstellung veranstaltet. Institutsleiterin Editha Hörandner hat nun auch einen rund 300-seitigen Sammelband herausgebracht, der die Ergebnisse der bisherigen steirischen Halloween-Forschung zusammenfasst.

Laut Hörandner ist der vorliegende Band die erste Publikation, die sich umfassend mit der "Brauchtums-Innovation" Halloween befasst. Das Kompendium stellt Fragen nach Wurzeln und Bedeutung des in seiner jetzigen Form aus den USA nach Europa übernommenen und vor allem bei Jugendlichen beliebten Festes. Neben Fragen des Ursprungs wie jener, ob Halloween ein keltisches Fest ist oder ob es möglicherweise steirische (Kürbis)-Wurzeln hat, befassen sich die neun Beiträge mit dem Wann, Wo und Wie, der speziellen Kulinarik (mit ausführlichem Rezeptteil für entsprechende Partys) und dem Fest als Wirtschaftsfaktor.

Iren brachten den Brauch in die USA

Immer wieder werde argumentiert, dass es sich bei Halloween um einen keltischen Brauch handle, sagte Hörandner. "Die Frage echter Zusammenhänge und Kontinuitäten ist nicht geklärt", erklärte die Kulturanthropologin. Festhalten könne man lediglich, dass sich Elemente des bäuerlichen Jahreslaufs und des keltischen Geisterkultes mit sozialem Brauchtum vermischt hätten. Irische Siedler hätten dann im 19. Jahrhundert das Fest nach Amerika gebracht, wo es eine eigenständige Entwicklung zum "Event" nahm.

Schließlich habe es - mit all seiner Vermarktung durch Zuckerln, Gruselmasken und Kürbisköpfe - wieder auf dem europäischen Kontinent Fuß fasst. Der Handel stellte nur zu gern die benötigten Utensilien bereit und stopft auf diese Weise das Konsumloch zwischen Schulanfang und Nikolo. "Was die Jugendlichen anbelangt, so ist Halloween ein Teil der herrschenden Spaß- und Eventkultur, für die auch eine gewisse Vorliebe für Horrorszenarios typisch ist", konstatiert die Volkskundlerin.

Die Steiermark sei zwar ein traditionelles Kürbisland, "steirische Wurzeln zu Halloween gibt es aber nicht", so Hörandner, wohl aber Parallelen wie die "Unruhnacht" vor Allerheiligen, in der Bauernburschen allerlei Unfug trieben und des "Heischens", bei dem Keuschler und Taglöhner um Allerheiligen auf Bauernhöfen um eine Spende baten. (APA)

Buch-Tipp

"Halloween in der Steiermark und anderswo"
Hrgb.: Editha Hörandner
LIT-Verlag Wien 2005
24,90 Euro

Link

Halloween
(Wikipedia)

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    Dieser Tage entkommt niemand den orangen Kürbissen.

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