Bawag-Betriebsrat lehnt Vorverurteilung ab

11. November 2005, 13:17
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In der Sondersitzung forderte der Betriebsrat "rasche und zweifelsfreie" Aufklärung des Sachverhalts

Wien - Der Betriebsrat der BAWAG P.S.K. hat in einer Sondersitzung zum Problemkreditfall Refco Montagabend vom Bank-Vorstand eine "rasche und zweifelsfreie" Aufklärung des Sachverhalts verlangt. Positiv wertet der Betriebsrat in einem Rundschreiben an alle Mitarbeiter, dass mittlerweile umfangreiche Untersuchungen gestartet wurden. Unterdessen soll es Gerüchten zufolge bereits zu Geldabhebungen von Bawag-Konten gekommen sein. Spekulationen über Geldbehebungen über mehrere hundert Millionen Euro (Laut "Wiener Zeitung" vom Dienstag wurden angeblich bereits 500 Mio. Euro von der BAWAG abgezogen) hat am Dienstagnachmittag die Bawag in einer Aussendung zurück gewiesen. Aus den USA könnte die BAWAG mit einer Klage durch andere Refco-Aktionäre eingedeckt werden.

"Unser Unternehmen steht momentan unter starkem öffentlichen Druck", schreiben die Betriebsräte. Verstärkt worden sei die mediale Aufmerksamkeit durch die politische Brisanz im Vorfeld der am vergangenen Wochenende abgehaltenen Wiener Wahlen.

Vorverurteilungen lehnt man ab. "Wir wollen den Vorstand keineswegs aus der Verantwortung für die Vorkommnisse entlassen", heißt es in einem Rundschreiben des Betriebsrats unter Vorsitz von Ingrid Streibel-Zarfl an die Belegschaft als Resümee der Sitzung gestern, Montag, Abend. "...doch in dieser schwierigen Situation stehen wir nicht als Ankläger da, sondern stehen loyal zu unserem Haus und mit aller Kraft hinter unseren MitarbeiterInnen."

Vorstand nicht anwesend

Der Vorstand war in der außerordentlichen Sitzung der Betriebsräte nicht anwesend, obwohl im Vorfeld einige Belegschaftsvertreter den Wunsch geäußert hatten, das Management möge Rede und Antwort stehen. Auch in der Belegschaft wurde die Aufsichtsratspflichtigkeit des umstrittenen Kredits debattiert.

Eine weitere Forderung, die der Betriebsrat gestern Abend bezüglich der "Kreditvergabe im Zusammenhang mit Refco" beschloss: Der Vorstand möge "sämtliche Mittel" ergreifen, "die zur Schadensminimierung beitragen, um die Rechte der Bawag P.S.K. zu wahren." Auch damit stellte sich der Betriebsrat hinter einen entsprechenden Auftrag des Aufsichtsrates.

Schließlich sei auch alles zu unternehmen, das gute Image der Bawag P.S.K. weiterhin im Sinne der Mitarbeiter und der Kunden sicher zu stellen. "Wir als Betriebsrat sehen es nicht als unsere Aufgabe, öffentlich in den Chor der Kritiker einzustimmen. Es steht nicht nur die Reputation unseres Hauses, sondern des gesamten Bankenwesens in Österreich auf dem Spiel".

Druck von US-Seite

Unter Druck kommen die Bawag-Verantwortlichen auch von US-Seite: Die New Yorker Rechtsanwaltskanzlei Shalov Stone & Bonner prüft Klagen gegen die österreichische Gewerkschaftsbank, berichtet das "WirtschaftsBlatt" in seiner heutigen Ausgabe. Die Kanzlei vertrete die Aktionäre von Refco und werde eine Sammelklage gegen jene Banken einbringen, die Refco an die Börse gebracht haben. Betroffen davon sind Credit Suisse, Bank of America und Goldman Sachs. Die BAWAG war am Refco-Börsegang nicht beteiligt. Trotzdem habe die Kanzlei vor, dass sie ihre Untersuchungen auf die Gewerkschaftsbank ausdehnen wird. Es gehe darum, ob die BAWAG bei der Vergabe des 350-Millionen-Euro-Kredits an eine Firma des Ex-Refco-Chefs gesetzeskonform gehandelt hat. Die New Yorker Kanzlei warte gespannt auf den Prüfbericht der Finanzmarktaufsicht. (APA)

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