Deutsche Verlage vs. Google Print

24. November 2005, 16:37
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Das Google-Print-Projekt geht deutschen Verlagen gegen den Strich. Sie planen eine eigene Content-Datenbank

Noch ist Google Print, die Volltextsuche für Buchtexte im Internet, ein zartes Pflänzchen. Doch Verleger, sowohl jenseits des großen Teichs als auch auf dem alten Kontinent, sehen darin bereits einen wild wachsenden Dschungel, der nicht nur ihr Geschäft gefährdet.

"Google ist auf dem Weg, den gesamten Bücherkosmos einzuscannen, gleichsam die virtuelle Bibliothek von Alexandria zu schaffen. Dadurch erwirbt das Unternehmen ein Machtmonopol, mit dem es eines Tages den freien Zugang zu digitalen Inhalten beschränken könnte", befürchtet der deutsche Verleger Matthias Ulmer. Um der US-Suchmaschine das Terrain des Kulturgutes Buch im Internet nicht kampflos zu überlassen, feilt er mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels an einer brancheneigenen Volltextsuche für den deutschsprachigen Raum.

Die "Taskforce Volltext" entwickelt derzeit ein Gegenmodell zu Google & Co, das den Verlagen vor allem die Verfügungsgewalt über ihre Inhalte sichern soll. Das Prinzip: Statt individuelle Verträge mit Google abzuschließen und die Digitalisierung ihrer Bestände außer Haus zu geben - wie das bereits in Deutschland und auch in Österreich der Fall ist - würden Verlage, die sich an der Branchenlösung beteiligen, die Daten auf ihrem eigenen Server (oder bei einem Dienstleister) vorrätig halten.

Eine zentrale Schnittstelle soll Standards für den Datenaustausch entwickeln und entsprechende Rahmenverträge mit Google und weiteren Interessenten aushandeln, die digitale Buchinhalte über ihre eigene Suchmaschine recherchierbar machen wollen.

Ein Vorhaben, dem sich österreichische Verleger durchaus anschließen sollten, meint dazu Michael Kernstock, Fachgruppenobmann Buch und Medienwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich. Die Digitalisierung von Büchern sei ohnehin nicht aufzuhalten, wesentlich dabei sei jedoch, dass die Urheberrechte von Verlagen und Autoren in jedem Fall gewahrt werden würden.

Kein Anhänger einer solchen kollektiven Lösung ist hingegen Fritz Panzer, Geschäftsführer des österreichischen Ueberreuter-Verlags: "Bei der Vielfältigkeit der Branche ist kaum vorstellbar, dass ein Verband das auf die Beine stellen kann." Der Markt werde sich das selbst regeln. Die Aufregung um das Google-Scan-Projekt ist für ihn "viel Lärm um nichts", denn: "Wenn man es genau betrachtet, ist fast jedes Buch bereits im Internet."

Für Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der heimischen IG Autorinnen Autoren, stellt sich hinsichtlich digitalisierter Volltexteditionen schlicht und einfach die Frage der Sinnhaftigkeit.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 25.10.2005)

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