Bush nominiert Berater Bernanke zum Greenspan-Nachfolger

2. November 2005, 17:32
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Märkte sehen in Bush-Entscheidung Kontinuität für US-Geldpolitik - Ähnliche finanzpolitische Konzepte wie scheidender Fed-Chef

Washington - US-Präsident George W. Bush hat seinen obersten Wirtschaftsberater Ben Bernanke (51) zum Nachfolger des Notenbankchefs Alan Greenspan nominiert. Der 79-Jährige tritt im Jänner nach 18 Jahren an der Spitze der weltweit mächtigsten Notenbank ab. Bernanke genieße "großes Vertrauen in der Finanzwelt", sagte Bush am Montag in Washington bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung. Er sei ein Mann von "starkem Charakter und großer Urteilskraft" und genieße hohes Ansehen wegen seiner "intellektuellen Strenge und Integrität".

Bernanke versicherte, die Wahrung der Kontinuität in der Geld- und Zinspolitik seines Vorgängers Greenspan habe größte Priorität. Ziel bleibe es, "Stabilität und Wachstum" der US-Wirtschaft zu wahren und zu fördern.

In der europäischen Finanzmetropole Frankfurt stieß Bernankes Nominierung auf ein durchweg positives Echo. "Bernanke ist ausgesprochen qualifiziert und ein unabhängiger Geist", sagte der Europa-Chefvolkswirt der Bank of Amerika, Holger Schmieding. BHF- Volkswirt Stephan Rieke sagte: "Bernanke hat sich an den Finanzmärkten einen guten Namen gemacht. Er ist eine gute Wahl." Ein radikaler Wechsel in der US-Geldpolitik wird nicht erwartet. "Bernanke verspricht Kontinuität", sagte Schmieding.

Bush würdigte die Verdienste Greenspans, der "fast zwei Jahrzehnte unsere Wirtschaft durch Höhen und Tiefen begleitet hat". Dank seines "klugen Urteils und weiser Politik" sei die Inflation niedrig geblieben. Er habe eine wichtige Rolle für das starke Wachstum der US-Wirtschaft gespielt. Die Notenbank sei ein "Symbol der Integrität und Verlässlichkeit unseres Finanzsystems", sagte der Präsident. Die Entscheidungen der Notenbank beeinflussten das Leben aller Amerikaner. Deshalb sei es die Bestimmung des "Fed"-Chefs "eine der wichtigsten Ernennungen eines US-Präsidenten".

Bernanke war nach seiner Zeit als Professor an der Eliteuniversität Princeton viele Jahre Mitglied des Notenbank- Direktoriums. Bernanke galt als einer der Favoriten für die Nachfolge Greenspans. Der Amtswechsel ist für Ende Januar geplant.

Greenspan und Bernanke vertreten ähnliche finanzpolitische Konzepte, sollen aber in der Frage der Inflationsbekämpfung unterschiedlicher Ansicht gewesen sein. Bernanke habe sich dafür eingesetzt, konkrete Inflationsziele zu setzen, Greenspan habe sich nicht festlegen wollen.

Unter Volkswirten wird erwartet, dass diese Debatte unter Bernanke wieder aufflammen könnte. "Er möchte die Zentralbank auf ein explizites Inflationsziel verpflichten und so die Geldpolitik transparenter machen und die Glaubwürdigkeit der Notenbank stärken", sagte BHF-Volkswirt Rieke. "Knall auf Fall" werde dies aber nicht passieren. (APA/dpa)

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