Sonja Wehsely: "Populisten nicht nachgeben"

11. November 2005, 15:28
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Wiens Integrationsstadträtin hält ihre Linie für richtig, will aber Vorteile der Integration mehr betonen

STANDARD: Was läuft in der Integrationspolitik falsch? Wehsely: Unsere Richtung stimmt: Zu sagen, dass die 17,6 Prozent Menschen mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft und das Viertel mit Migrationshintergrund einfach ein Bestandteil dieser Stadt sind. Das wird auch gewürdigt: Im 15. Bezirk, dem mit dem höchsten Ausländeranteil, hat die SPÖ gewonnen - und die Grünen sind Zweite.

STANDARD: Dennoch: Warum punktet die FPÖ mit Antiausländerpolitik? Wehsely: Man kann in jede europäische Hauptstadt schauen: Wo eine Partei mit dem so genannten Ausländerthema schürt, erreicht sie 10 bis 30 Prozent. Es gibt einfach ein Wählerpotenzial in Großstädten, die dafür empfänglich sind. Das sind Menschen, die es selber nicht leicht und subjektiv den Eindruck haben, dass sie zu den Verlieren gehören.

Was wir noch stärker tun müssen, ist klar zu machen, dass alle Menschen in der Stadt davon profitieren, dass wir ein friedliches Zusammenleben haben. Wir müssen stärker betonen, was es für Wien bringt, dass wir eine vielfältige Stadt ohne ethnische, soziale Ausschreitungen sind.

STANDARD: Aber es gibt Probleme: Schulen mit vielen Migrantenkindern. Wehsely: Es fehlen in Wien Lehrerposten für muttersprachliche Betreuung, dafür ist der Bund verantwortlich. Es gab 1999 exakt 13.000 Saisonierbewilligungen und im ersten Halbjahr 2005 bereits 25.000, dafür ist der Bund verantwortlich. Die Bundes-VP bereitet offenbar eine Koalition mit der Strache-FP vor. Aber wir werden einem Populisten nicht nachgeben. (DER STANDARD-Printausgabe 25./26.10.2005)

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    foto: corn
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