Finanzmarktaufsicht stellt Strafanzeige gegen AMIS

7. November 2005, 09:13
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Affäre um Wiener Fonds-Firma ist ein Fall für den Staatsanwalt - Im Mittelpunkt steht Treuhandfirma TFA auf den Cayman Islands

Wien - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat gegen das Wiener Wertpapierdienstleistungsunternehmen AMIS Strafanzeige wegen des Verdachts des Betrugs bzw. schweren gewerbsmäßigen Betrugs eingebracht, berichtet das "WirtschaftsBlatt" (Dienstagausgabe).

"Es gibt eine Anzeige der FMA, die am 11. Oktober eingelangt ist", bestätigt Otto Schneider von der Staatsanwaltschaft Wien dem Blatt. Drei Personen werden dabei angeführt: die AMIS-Gründer Dietmar Böhmer und Harald Loidl sowie AMIS-Vorstand Thomas Mitter.

Bisher habe die AMIS-Führung jegliche Ungereimtheit bei der Veranlagung von Kundengeldern bestritten. "Wir haben einen Bericht des eingesetzten Regierungskommissärs an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet", bestätigt Klaus Grubelnik von der FMA dem Blatt. Der Bericht schildere Vorkommnisse, die sich zwischen 1999 und 2002 ereignet haben und die nicht der Aufsicht der FMA unterliegen.

TFA zwischengeschaltet

Laut Aktenlage soll AMIS zwischen den Luxemburger Sicav-Fonds und der Depotbank Sella die Treuhandfirma TFA als Registerführer zwischengeschaltet haben. TFA soll zumindest von einem der AMIS-Masterminds kontrolliert worden sein.

Die Wiener AMIS Financial Consulting (AFC) soll mit den Kundengeldern Sicav-Anteile gekauft und auf den AFC-Konten entsprechend gutgebucht haben. Bei der Depotbank soll die Cayman-Firma TFA, die das Kundenregister geführt hat, als Depotinhaber fungiert haben. Dem Vernehmen nach soll die AMIS-Mutter über die TFA beliebig Fondsanteile zurückgegeben und das Geld aus den Sicavs zurückgeholt haben.

Das "Rückholen" soll aber auf den Kundenkonten bei der Wiener AFC nicht verbucht worden sein. Fazit: Die Fondsanteile der AFC-Kunden haben angeblich mit den in den Luxemburger Fonds vorhandenen Anteilen nicht mehr übereingestimmt. Insgesamt soll es sich um 60 bis 70 Millionen Euro" drehen, schreibt die Zeitung.

"Ich gehe davon aus, dass nichts dran ist", wird Johannes Schmidt, Anwalt von Böhmer, zitiert. Die FMA habe in den vergangenen Jahren bei AMIS mehrere Vorortprüfungen gemacht und nicht einmal ansatzweise etwas gefunden. Die Unterlagen seien damals nicht anders als heute gewesen.

"Sorgfaltspflichten eingehalten"

Thomas Mitter teilt dem "WirtschaftsBlatt" per Mail mit, dass ihm die Strafanzeige nicht bekannt sei. "Dass die Behörden im Zuge ihrer Untersuchungen bei AMIS unweigerlich auf den einen oder anderen Vorstand treffen, kommt nicht unerwartet", schreibt Mitter. Er habe die Sorgfaltspflichten eines Vorstandes eingehalten. (APA)

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