Bush nominiert Ben Bernanke zum Chef der US-Notenbank

7. November 2005, 14:22
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Oberster Wirtschafts­berater des US-Präsidenten soll Nach­folger von Greenspan als Fed-Chef werden - EZB begrüßt Nominierung

Washington - Neuer Chef der US-Notenbank (Fed) wird Bernard "Ben" Bernanke (51). Präsident George W. Bush nominierte am Montag in Washington seinen obersten Wirtschaftsberater zum Nachfolger von Alan Greenspan.

Greenspans 18-jährige Amtszeit läuft zum 31. Jänner aus. Bernanke galt seit längerem als einer der Favoriten für die Greenspan-Nachfolge. Bernanke muss noch vom Senat bestätigt werden.

Immer die Inflation im Visier

In seiner über zwei Jahrzehnte währenden Lehrtätigkeit als Wirtschaftswissenschaftler hat Bernanke schon so manchen Wälzer über Grundlagen der Volkswirtschaft verfasst.

Doch zieht sich der Kampf gegen die Inflation wie ein roter Faden durch die Publikationen des Princeton-Professors, der auf Wunsch von Präsident George W. Bush Anfang 2006 an die Spitze der US-Notenbank ("Fed") treten soll.

"Inflation targeting" lautet das Stichwort, das in Bernankes Veröffentlichungen immer wiederkehrt. Es geht um die richtigen Methoden, mit denen der Preisauftrieb ins Visier genommen und besiegt werden kann. Damit liegt er genau auf der Linie, die die Finanzmärkte von dem Nachfolger des 79-jährigen Notenbankchefs Alan Greenspan erhoffen.

"Preisstabilität erreichen und erhalten"

"Das fundamentale Prinzip gesunder monetärer Politik besteht darin, Preisstabilität zu erreichen und zu erhalten", lautet der erste Satz eines Beitrags von Bernanke aus dem Jahr 2003. Er äußerte sich damals bereits als Mitglied des Gouverneursrats der "Fed", in den er im Jahr zuvor berufen worden war.

Nach einem Bachelor-Abschluss an der Harvard-Universität 1975 promovierte Bernanke 1979 am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) - und übernahm gleich im Anschluss seine erste Lehrtätigkeit an der Stanford-Universität, bevor er 1985 nach Princeton wechselte. Wiederholt wurde Bernanke von der Londoner School of Economics zu Gastvorträgen eingeladen.

Auch wenn Bernanke eine stolze wissenschaftliche Karriere vorweisen kann, so räumte er doch einst ein: "Wirtschaft ist ein sehr schwieriges Thema. Ich habe es damit verglichen, wie es ist, ein Auto zu reparieren, während der Motor läuft."

er als hochintelligent geltende Bernanke, geboren am 13. Dezember 1953 in Augusta im US-Bundesstaat Georgia, scheiterte übrigens bei einem der in den USA sehr beliebten Buchstabierwettbewerbe für Schüler ausgerechnet am Wort "Edelweiss".

Wahl des Favoriten

Spätestens seit diesem Sommer ist offenkundig, dass Bush auf den Princeton-Professor große Stücke hält. Denn der US-Präsident ernannte Bernanke im Juni zum Chef seines Wirtschafts-Beraterstabes. Bevor Bush sich auf den künftigen Chef der Notenbank und Nachfolger des legendären Greenspan festlegte, führte er mit mehreren denkbaren Kandidaten Vorgespräche.

Mit Bernanke soll er dabei nicht nur über Finanzfragen, sondern auch über den Baseball-Club Boston Red Sox gefachsimpelt haben, zu dessen Fan-Gemeinde Bernanke zählt.

Sollte die Nominierung wie erwartet vom Senat bestätigt werden, wird Bernanke Nachfolger Greenspans, der auf fast fünf Amtsperioden an der Spitze der Fed zurückblicken kann. Der 79 Jahre alte Greenspan steht seit dem 11. August 1987 an der Spitze der Fed.

EZB begrüßt Nominierung Bernankes

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Nominierung des neuen US-Notenbankchefs Ben Bernanke mit lobenden Worten begrüßt. Der 51-Jährige sei ein "außergewöhnlicher Ökonom" und "erfahrener Mann", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Dienstag in Frankfurt. Als Geldpolitiker werde Bernanke in besonderem Maße respektiert.

"Ich freue mich darauf, mit ihm die gleiche enge und fruchtbare Zusammenarbeit zu entwickeln und die gleiche vertrauensvolle und freundschaftliche persönliche Beziehung zu genießen, die ich zu Alan Greenspan hatte", sagte Trichet.

Bernanke soll die Nachfolge des 79-jährigen Alan Greenspan antreten, der im Jänner nach 18 Jahren an der Spitze der weltweit mächtigsten Notenbank abtritt. Nach der Nominierung durch US-Präsident Bush muss Bernanke noch durch den Senat bestätigt werden.

Pressestimmen

"Bernanke könnte mit der Zeit zu einem wirklichen Ersatz für Greenspan heranwachsen, aber derzeit ist er das noch nicht. Niemand wäre dazu in der Lage, denn Greenspans Autorität erwuchs größtenteils aus den Erfahrungen in 18 Jahren an der Spitze der Notenbank. Bernanke muss einen beispielhaften Grad von politischer Unabhängigkeit demonstrieren sowie die Fähigkeit, die Signale zu verstehen, die von den Finanzmärkten an die Notenbank gesendet werden. Der Vorsitzende der Notenbank muss einen erstklassigen Verstand haben und fähig sein zu Überlegungen, auf den das Schicksal der Weltwirtschaft beruht. Bernanke hat diese Intelligenz. Er ist einer der besten Finanzökonomen, und er war für viele professionelle Ökonomen der Wunschkandidat für diesen Job."

Echter "zentraler" Bankier

"(US-Präsident George) Bush hat einen echten 'zentralen' Bankier gewählt, einen Republikaner, der an die Unabhängigkeit seines Urteils gewöhnt ist; einen Liberalen, der Steuersenkungen positiv gegenübersteht, ohne ein 'Fundamentalist' des Marktes zu sein. Er tritt ein schwieriges Erbe an, in einer Welt, die immer komplexere wirtschaftliche Realitäten angehen muss. Man denke nur daran, dass im Jänner - wenn Bernanke sein Amt bei der Notenbank antritt - die "Baby-Boom"-Generation der Nachkriegszeit anfängt, in Pension zu gehen." (APA/dpa/AP)

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