Interview: RB-Geschäftsführer Wiebach

28. Oktober 2005, 17:08
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Salzburg ist Tabellen­führer - Kurt Wiebach sieht "nur Menschen, die glücklich sind" und spricht von einer erfreulichen "Momentaufnahme"

Standard: Sind Sie überrascht, dass Ihre Mannschaft bereits nach 15 Runden Spitzenreiter ist? Ist man der Zeit quasi voraus? Im Plan war das vermutlich nicht vorgesehen.
Wiebach: Im Fußball kann man nie einem Plan voraus sein. Jeder Erfolg basiert auf harter Arbeit. Und er ist immer nur eine Momentaufnahme. Wir können uns jetzt kurz freuen und für ein paar Stunden stolz und lustig sein, aber das war es schon. Entscheidend ist, ob wir am 13. Mai, nach der letzten Runde, unter den ersten drei sind.

STANDARD: Ist Salzburg in Wahrheit nicht längst der Favorit auf den Titel? Man profitiert ja auch von den Schwächen der Gegner.
Wiebach: Wir Österreicher, und das sage ich als Deutscher, erklären die eigenen Siege oft mit den Niederlagen der anderen. Man tut ja auch so, als ob Rapid aus Versehen Meister geworden wäre. Wir leiden manchmal an mangelndem Selbstbewusstsein. Natürlich kann man die Schwächen der Gegner nicht von der Hand weisen. Ein Ergebnis kommt eben so zustande: Der eine gewinnt auch deshalb, weil der andere gepatzt hat. Das gilt auf der ganzen Welt.

STANDARD: Es gab zu Beginn große Zweifel. Die Austria und Frank Stronach zeigen es seit Jahren vor, dass sich Erfolg nicht unbedingt kaufen lässt. Auch Salzburg hat in den ersten Runden eher Fußball verloren denn Fußball gespielt.
Wiebach: Wir selbst hatten nie Zweifel und haben immer an uns geglaubt. Wir wussten, dass wir sehr gute Spieler geholt haben. Alle sind ruhig geblieben, vor allem unser Eigentümer Dietrich Mateschitz. Trainer Kurt Jara hat den Druck von der Mannschaft genommen, die Kicker durften in relativer Ruhe zusammenfinden und sich entwickeln. Der Knackpunkt war dann das 1:0 in Mattersburg. In der Nachspielzeit haben wir trotz schwacher Leistung ein glückliches Tor erzielt. Seither sind wir befreit.

STANDARD: Herr Mateschitz äußert sich kaum zu den Leistungen. Das unterscheidet ihn offenbar von Stronach. Man hat das Gefühl, er lässt die Dinge einfach laufen.
Wiebach: Das stimmt. Er vertraut eben den Leuten, die er geholt hat. Mateschitz beherrscht die Kunst des Delegierens, Teamarbeit ist bei ihm keine leere Phrase. Er würde von sich nie behaupten, dass er vom Fußball mehr versteht als etwa ein Kurt Jara. Aber ich möchte ihn nicht als Gegenpol zu Stronach hinstellen, dazu kenne ich Herrn Stronach viel zu wenig.

STANDARD: Das Projekt war zunächst von Fanprotesten begleitet. Einige Gruppen befürchteten die Zerstörung der Tradition durch Red Bull, sehnten die alte Austria Salzburg herbei. Hat man die Situation nun im Griff?
Wiebach: Ich denke schon, aber man muss wachsam bleiben. Der Fußball hat eine große soziale Komponente. Mir ist klar, dass wir in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten leben, viele Leute habe keine Arbeit. Und dann kommt einer daher, der angeblich mit Geld alles erschlägt. Ich halte von diesen Plattitüden wenig. Wir haben die Preise nicht erhöht, das Stadion ist praktisch immer ausverkauft. Ich sehe darin nur Menschen, die sich freuen und glücklich sind.

ZUR PERSON:
Kurt Wiebach, geboren 1946 in Berlin, gelernter Versicherungsmanager, war vor elf Jahren Trainer in Salzburg. Nun übt er das Amt des Geschäftsführers aus.
Christian Hackl fragte nach.
  • Zwei Mal Kurt, einmal Jara, einmal Wiebach.
    foto: darren jacklin

    Zwei Mal Kurt, einmal Jara, einmal Wiebach.

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