Die Feminisierung der Verantwortung

Redaktion, 25. Oktober 2005, 20:24
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Männer und Frauen: Förderung der Chancengleichheit schafft Verbesserungen für beide Geschlechter

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein Thema, das zuweilen die Wogen hochgehen lässt und sachliche Diskussionen erschwert. Zugleich haben die gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse aber auch entscheidende Auswirkungen auf nachhaltige Entwicklung, sei es nun im Umgang mit der Natur, auf die wirtschaftliche Entwicklung oder den Zugang zu Ressourcen und Gestaltungsmacht. Mit Blick auf die Genderproblematik eröffnen sich alternative Konzepte von Nachhaltigkeit, die die Orientierung an Wirtschaftswachstum und westlichen Konsummustern herausfordern.

Gender Mainstreaming

Seit der 4. Weltfrauenkonferenz im Jahr 1995 in Peking hat das Konzept des Gender Mainstreaming große Popularität erlangt und ist in aller Munde – in Brüssel ebenso wie auf der Mühlviertler Alm. Es handelt sich dabei um eine politische Strategie, deren Ziel es ist, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein zu berücksichtigen und zur Chancengleichheit von Frauen beizutragen. Zahlreiche Projekte und Initiativen bemühen sich um eine Verankerung dieses Prinzips im täglichen Leben. Hierbei müssen jedoch vielfach erst neue Instrumente und Kommunikationsformen erprobt bzw. gefunden werden. Obwohl bereits wichtige Erfolge erzielt wurden, ist konsequentes Engagement erforderlich, da Frauen nach wie vor auf vielfältige Art und Weise Diskriminierungen ausgesetzt sind.

Neben den gängigen Rollenbildern trägt vor allem die Aufteilung von Erwerbs- und Reproduktionsarbeit (z.B. Haus- und Versorgungsarbeit) zur fortgesetzten Benachteiligung von Frauen in vielen Lebensbereichen bei. Obwohl der Anteil von Frauen an der Erwerbsarbeit kontinuierlich gestiegen ist, verrichten sie nach wie vor 70 Prozent der unbezahlten Arbeit weltweit, was zur viel zitierten Doppelbelastung führt. Der Anteil der Frauen in Führungspositionen ist zwar leicht im Steigen, jedoch erfahren auch "Karrierefrauen" nur Anerkennung, wenn sie sich den vorhandenen Strukturen anpassen. Wichtig wäre es hingegen, dass es Frauen gelingt, die Strukturen so zu verändern, dass sie für beide Geschlechter weniger diskriminierend sind.

Die Feminisierung der Verantwortung

Wenn es um Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geht, sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: 70 Prozent der Armen weltweit sind weiblich, Frauen beziehen weltweit 10 Prozent aller Einkommen und besitzen bloß 1 Prozent des globalen Vermögens. Obwohl Frauen also nur sehr beschränkten Zugang zu Ressourcen, Einkommen und Gestaltungsmacht haben, kommt eine Vielzahl von neuen Belastungen auf sie zu, die sie im Zuge ihrer unbezahlt geleisteten Reproduktionsarbeit bewältigen müssen. So sind Frauen, da sie in der Regel die Hauptverantwortung für das Wohlergehen der Familie tragen, auch von den Folgen der fortschreitenden Umweltverschmutzung und -zerstörung stärker betroffen als Männer.

Dies ist vor dem Hintergrund der derzeitigen gesellschaftlichen Umwälzungen im Rahmen der Globalisierung besonders problematisch. Die fortschreitende Privatisierung von öffentlichen und Gemeinschaftsgütern führt nicht nur zur Verschiebung bisher öffentlicher Leistungen in den Marktbereich, sondern auch in die unbezahlte Versorgungsarbeit, wo sie vor allem Frauen in aller Welt zusätzlich belastet. Gerade sie verlieren ihre Nutzungsrechte an Überlebensressourcen wie Land, Wasser und Saatgut sowie die Zugangsrechte zu sozialer Grundsicherung. Die gelebte Einbeziehung von Gender Mainstreaming in alle Politikbereiche steht erst am Anfang. Langfristig gesehen kann sie wesentlich dazu beitragen, Entwicklung vom Standpunkt des "anderen" Geschlechts aus zu betrachten und auf diese Art und Weise Verbesserungen für beide Geschlechter zu erreichen.

"Gender und Nachhaltigkeit" ist das Thema des Monats Oktober 2005 im Internetportal

Logo: Nachhaltigkeit.at
Eine Initiative des Lebensministeriums



Die Autorin:

Astrid Konrad arbeitet am Forschungs- schwerpunkt für Nachhaltigkeit und Umweltmanagement, Wirtschaftsuniversität Wien

Direkt-Link zum Monatsthema 10/2005
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
Kommentar posten
24 Postings
pier paolo pasolini
 
00
27.10.2005, 07:52

was alles schon unter dem Begriff Nachhaltigkeit firmiert...
Der Begriff (einst aus der Forstwirtschaft, Carl von Carlowitz, steht dafür dass man nicht mehr Holzschlägern soll als nachwachsen kann (sic!)) wird derzeit als neue Heilsbotschaft für alles verstanden und damit gänzlich unklar.

Allein der Satz: "Mit Blick auf die Genderproblematik eröffnen sich alternative Konzepte von Nachhaltigkeit, die die Orientierung an Wirtschaftswachstum und westlichen Konsummustern herausfordern.", ist derartig zusammenhangloses oberflächlliches Geschwafel, dass damit die dahinterstehenden wichtigen Thematiken aufs schwerste diskreditiert werden.

femi-san
00
26.10.2005, 17:27
zumindest von seiner statur her auf jagen und sammeln ausgerichtet....

ich dachte, dass solche äusserlichen klischeebilder längst kein anlass mehr sind menschen zu schubladisieren, bzw. dass uns durch die biologie nicht mehr automatisch rollen zugewiesen werden.
ist ein muskelbepackter mann unfähig ein kleines baby liebevoll zu versorgen??
und eine frau mit reichlich kurven ist automatisch eine sinnliche frau und warmherzige mutter?
ich will das nicht auf die mutter- bzw. vaterrolle reduzieren (wurde in den postings in den vordergrund gerückt) - wir sollten uns generell vor diesen klischees hüten. nicht unsere muskeln, der fettanteil oder unser geschlecht definieren uns. wir haben doch die freiheit uns selbst zu definieren.
ist steven hawking der klassische jäger? weil er ein mann ist?

Daniel89
10
26.10.2005, 13:47
Naja...

Also ich bin nicht gerade von dieser sogenannten Feminisierung voll und ganz begeistert, der Grund dafür sind die immanenten Unterschiede. Schließlich ist der Mann, zumindest von der Statur und den körperlich chemischen Prozessen vollkommen auf Jagen und Sammeln ausgerichtet, oder meinen Sie Arnold Schwarzenegger könnte ein Baby genausogut behüten und pflegen wie seine Mutter, also naja...

an kog
00
26.10.2005, 16:39
Sie haben wohl noch nie Kindergartencop gesehen!!!!!!!!


Also.

Außerdem können Männer genauso gut Kinder "hüten" wie Frauen.
Soooooo unheimlich kompliziert ist das nun auch wieder nicht.
Und Frauen können genausogut jagen wie Männer. Soooooo unheimlich kompliziert ist das nun auch wieder nicht.
Außerdem haben mich meine, sich in mir manifestierenden, körperlich chemischen Prozesse in letzter Zeit nicht gerade oft dazu getrieben, dass ich jagen gehen muss.
Sammeln ist übrigens Frauensache mein Herr! Sollte man schon wissen wenn man versucht damit die Welt zu erklären.
Selbst wenn Sie Recht hätten, was würde dann in Ihrer Welt nochmal genau dagegen sprechen, dass die Männer zumindest den männlichen Nachwuchs aufziehen?

yomellamo
00
26.10.2005, 20:05
nur wenn Männer die Brust geben...

... wird nicht viel dabei rauskommen :-)

an kog
00
26.10.2005, 20:43

Es ging ja nur ums hüten.

Da ist es natürlich schon vorteilhaft wenn die Mama dann in der Nähe ist:-)

pipi pipifax
00
26.10.2005, 15:47

geht's vielleicht noch ein bissche stammtischkompatibler? wo jagen und sammeln sie so in der regel? vielleicht beim kartenspielen bummerl?

ChesneyB
00
2.11.2005, 19:12

Geh bitte! Lesen's Konrad Lorenz oder Eibl-Eibesfeldt!

pipi pipifax
00
3.11.2005, 14:37

da habe sie zwar recht, aber etwas eloquenter formuliert ist es da wenigstens.

Markus Oberhauser
 
00
26.10.2005, 13:36
Um das hier richtig zu verstehen..

... Frauen wollen Karriere machen und wollen Familie. Dann ist aber die sogenannte Doppebelastung vorhanden. Nun kommt der Vorwurf, dass Männer dann den Frauen nicht helfen, beides unter einen Hut zu bringen?

Dann wird alles nur halb so gut gemacht. Und ich denke, dass Familie, insbesondere Erziehung, nun unter keinen Umständen zu einer halbherzigen Sache gemacht werden soll.

Das es eine Frau glücklich macht, wenn sie ihre Familie ernähren kann, scheint wohl ausgeblendet zu sein. Damit soll Frau aber keineswegs zum Heimchen gemacht werden.
Vielleicht wäre es toll wieder die ältere Generation für die Erziehung hinzuzuziehen? Oder sehr abwegig?
Ich als Mann möchte meine Partnerin immer unterstützen. Und wenn ich es bin, der in Karenz geht

emil grom
10
26.10.2005, 07:00
was soll das?

wieso wird die seite "wissenschaft" mit solchen artikeln belastet?
das ist nicht wissenschaft, das ist düsterdunkles geschwafel!

wunderbarste statistiken, neue patentrezepte & methoden, ganzheitlich, biologisch, nachhaltig, gendergemainstraemt, eventuell a bissl totalitär.
aber an unserem feministischen wesen, bzw. genderdtream wird diesmal wirklich die welt genesen-hatten wir doch schon, oder?
aber diesmal tun wir es für das universell gute!

dafür ist doch die standard zuständig!!!

manu zinner
00
9.11.2005, 14:48
ah ja

das ist also keine wissenschaft, sondern nur geschwafel
und damit zur "die standard" gehörig (=nutzlos, geschwafel, minderwertig... wie frauen eben sind)

bravo! wie wissenschaftlich von ihnen

vanilla sky
00
26.10.2005, 05:05

"Ich schätze, dass es tlw. auch an der Berufswahl liegt. Völkerkunde oder Lehramt Frz. bringt wohl weniger Geld als Bauingenieurgängige" - kann ich vollkommen zustimmen! finde es daher außerordentlich wichtig, schon in früher Kindheit beiden Geschlechtern die Augen zu öffnen und gängige Rollenbilder und Meinungen (z.B. Technik und Frau verträgt sich nicht) nachhaltig zu beseitigen. Glaube,dass dieser Ansatz längerfristig mehr Erfolg bringt als "Frauenförderung im Erwachsenenalter" (natürlich auch notwendig)

yomellamo
00
26.10.2005, 07:47
Zustimmung

Frauen/Männer sind zwar nicht gleich und es mag daher Tendenzen zu verschiedenen Fachrichtungen für die Geschlechter geben,aber mit großer Wahrscheinlichkeit sind diese Tendenzen wesentlich kleiner als man auf Grund der Anzahl der Studentinnen vs Studenten in "exemplarischen" Studienrichtungen vermuten könnte.

Es ist halt noch so, es gibt typ. "Frauenberufe" und typische "Männerberufe". Wobei die "Frauenberufe" im Schnitt schlechter bezahlt sind.

Außerdem ist zu erwähnen,dass Frauen zwar im Schnitt weniger verdienen, aber dafür zufriedener mit ihrem Leben sind. Das heißt es wäre auch für Männer durchaus erstrebenswert ein bisserl Geld in ein bisserl Zufriedenheit umzutauschen indem die Berufswahl nicht durch die Gesellschaft geprägt wird

ChesneyB
00
2.11.2005, 19:16

Da gab es im Spiegel einen Artikel über eine Studie zu diesem Thema. Nach dieser Studie sind die Kriterien, nach denen sich Männer und Frauen ihre Berufe aussuchen unterschiedlich. Für Männer ist das Einkommen am wichtigsten, Frauen suchen sich hingegen ihre Jobs nach anderen Kriterien aus. In vielen Branchen ist es übrigens so, daß Frauen sehr wohl gleich viel verdienen wie Männer, bevor sie Kinder haben. Gehen sie dann einmal in Karenz machen sie Gehaltssprünge nicht mehr mit und die Schere beginnt. Dies ist aber keine Diskriminierung, denn so etwas würde Männern auch passieren.

manu zinner
00
9.11.2005, 14:51
nennen sie doch die vielen branchen! sie werden sehen, die lassen sich an einer hand abzählen

ich kenne einige frauen, die weniger für denselben job kriegen (zb verkauf im sportgeschäft: frau = kleidung, kriegt weniger, in meiner firma: "du bist die erste, die gleichviel bei uns kriegt wie der techniker", Putfirmen: männer fahren reinigungswagen = mehr gehalt,...)

Ich bin klug
00
25.10.2005, 21:58
Die immer wieder gleich genannten Prozentwerte sind:

Nirgends belegt und eine pure Erfindung. Klar sind Frauen benachteiligt, aber man muss nicht lügen, um das zu "beweisen".

pipi pipifax
00
26.10.2005, 15:30

wie kommen sie auf diese duemmlichen behauptungen. sie koennen den link oben verfolgen und sehen, dass in der langversion eine vielzahl an literatur und studien zitiert wird. aber sie wissen das ohne nur den kleinen finger zu ruehren natuerlich besser. alles gelogen. alles klar, sie sind ja klug ....

le geres
00
26.10.2005, 21:27


„Frauen leisten zwei Drittel der Arbeitsstunden, haben ein Zehntel des Einkommens und ein Hundertstel des Eigentums auf dieser Welt.“ -- Monika Griefahn, deutsche SPD-Politikerin, ehem. niedersächsische Umweltministerin

vs.

"Wenn es um Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geht, sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: 70 Prozent der Armen weltweit sind weiblich, Frauen beziehen weltweit 10 Prozent aller Einkommen und besitzen bloß 1 Prozent des globalen Vermögens."


klingt doch verdächtig ähnlich. und die zahlen von politkern sind alles eher als wissenschaftlich verlässliche quellen.

pipi pipifax
00
3.11.2005, 14:40

und wie kommen sie auf die idee, dass frau griefahn die quelle ist? ein bisschen verwirrt?

yomellamo
00
25.10.2005, 21:32
?

"So sind Frauen, da sie in der Regel die Hauptverantwortung für das Wohlergehen der Familie tragen, auch von den Folgen der fortschreitenden Umweltverschmutzung und -zerstörung stärker betroffen als Männer."

Wie ist das zu verstehen? Jede Wohnung hat eine kleine Müll-Deponie und dort wohnt die Frau?

Ist das "Wohlergehen der Familie"=(A)"Essen kochen das allen schmeckt" oder=(B)"Geld nach Hause bringen" oder (C)was anderes?

(A)..kann ich mir in diesem Zusammenhang nicht vorstellen, denn das würde das bekämpfte Rollenbild ja nur unterstützen.
(B)..wird im Text beklagt, dass Frauen hier benachteiligt sind
(C)..?

Ich schätze, dass es tlw. auch an der Berufswahl liegt. Völkerkunde oder Lehramt Frz. bringt wohl weniger Geld als Bauingenieur

maxinthemix
00
26.10.2005, 10:03
Wie hoch war bei Ihnen das Verhätnis

von Vater/Mutter als Begleitperson beim Arzt in der Kinderzeit? Bei mir war es 0:100 (Mathematiker bitte vor!)

Wohlergehen hat also etwas mit "gut gehen" und Gesundheit zu tun, nicht mit ihren antiquierten Rollenbildern "kochen und putzen" und "Geld nach Hause bringen" ... (und stellen Sie sich vor: es gibt Menschen, die machen sogar beides ...!)

yomellamo
00
26.10.2005, 15:39
nocheinmal lesen - dann nachdenken - dann vielleicht posten.

anscheinend haben sie ueberhaupt nicht verstanden was ich gepostet habe.

in "ganz einfach" nocheinmal:
(A) ist wohl nicht gemeint, da: klischee-rollenbild
(B) erstens: auch rollenbild, zweitens: wird genau das ja im Text beklagt; daraus folgt: wohl auch nicht gemeint
(C) ?

ihre Meinung zu (C)="gut gehen"
... das ist eine sinnlos leere Worthuelse. Koennte von einem Politiker sein.

damit bleibt immer noch meine Frage offen:
was ist das "Wohlergehen der Familie"?

Und @"mein mikrokosmos":
Naja, ihre Interpretation ueberzeugt mich nicht. Aber sie koennen ja noch einen weiteren Anlauf wagen um zu erklaeren warum Frauen die in derselben Stadt/Wohnung/usw. leben mehr unter der Umweltverschmutzung/zerstoerung leiden.

mein mikrokosmos
00
26.10.2005, 08:50
*kopfschüttelüberihrposting* - gemeint ist wohl, ..

.. dass frauen krank machende umweltfaktoren ebenso wie männer "voll abbekommen"

.. dass sie aber dadurch fällige privat zu bezahlende medizinische leistungen nicht in dem ausmaß in anspruch nehmen können wie ihre besser verdienenden männlichen leidensgenossen

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