Heinz-Christian Strache

7. November 2005, 18:07
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Ein Populist, der es Jörg Haider gezeigt hat

Er hat es offenbar selbst kaum glauben können: Dass die FPÖ nach demütigenden Niederlagen - in der Steiermark wurde sie schmerzlicherweise von den Kommunisten geschlagen - in Wien ein respektables Ergebnis erzielen würde, galt bis zuletzt als unsicher. Dass die Mittel, die Heinz-Christian Strache dafür einsetzte, bei Weitem nicht so respektabel waren, sondern von seinen Gegnern klar verurteilt werden, hat ihn nie sonderlich gestört.

Strache hat, zuletzt mit ziemlich heiserer Stimme, gekämpft und das politische Überleben gewonnen. Für sich und seine Partei, die er erst einmal vom Erbe des Jörg Haider befreien musste: Selbst eingefleischte Freiheitliche hatten im Frühjahr daran gezweifelt, dass die FPÖ ohne den Vote-Getter Haider überhaupt überleben könnte. Als Strache im April seine Landespartei auf den Wahlkampf einstimmen wollte, fand der Parteitag ausgerechnet eine Woche nach der Abspaltung des BZÖ statt - und Strache musste das vorbereitete Manuskript verlassen und den bei ihm verbliebenen Getreuen die Treulosigkeit der bisherigen Bundesparteiführung erklären.

Dabei wäre in der Wahlkommunikation eine Duellsituation mit dem Wiener Bürgermeister viel wichtiger gewesen als eine mit dem Kärntner Landeshauptmann, für dessen Rückkehr an die Parteispitze er ursprünglich eingetreten war. Strache ließ dennoch plakatieren, dass er sich mit Michael Häupl (und nicht mit anderen Burschenschaftern oder dem ehemaligen FPÖ-Chef) duelliere.

An die FPÖ ohne Haider wollten damals nur wenige glauben - und das war für Strache nicht nur Herausforderung, sondern auch ein Vorteil: Nüchtern betrachtet hat die FPÖ unter ihm massiv verloren, nicht nur in der Steiermark und im Burgenland, sondern auch bei der Wien-Wahl. Weil aber Umfragen ein doppelt so schlechtes Ergebnis wahrscheinlich erscheinen ließen, konnte Strache seinen Wahlkampfeinsatz als eine Aufholjagd erscheinen lassen.

Die Abnabelung des 36-jährigen Zahntechnikers vom Vorbild Haider war offenbar nicht einfach. Inhaltlich gab es die gleiche Linie wie in der Haider-FPÖ in ihrer kämpferischsten Zeit: "Wien darf nicht Istanbul werden" knüpfte an den Slogan "Wien darf nicht Chicago werden" an, das Ausländerthema spielte Strache ähnlich rücksichtslos wie seinerzeit sein damaliges Vorbild Haider in der Vorbereitung des Ausländervolksbegehrens 1993. Damals war Strache gerade seit zwei Jahren Bezirksrat. 1996 kam er in den Landtag, acht Jahre später wurde er Nachfolger von Hilmar Kabas in der Wiener Landespartei. Im heurigen Frühjahr übernahm er den Auftrag, die Bundes-FPÖ, die personell und finanziell am Ende schien, zu sanieren. Einen ersten Erfolg hat er nun. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.10.2005)

von Conrad Seidl
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