"Räubersgeschichten aus dem Wienerwald"

9. November 2005, 10:16
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Ex-Refco- und Bawag-Banker Hackl wehrt sich gegen eine Involvierung in die Causa Refco/Bawag - OeNB-Chef Liebscher warnt davor, sie zu einem Politikum zu machen

Wien - Der Refco-Blitzkredit - die Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. hat 75 Mio. Euro an das (inzwischen insolvente) US-Brokerhaus Refco und 350 Mio. Euro an dessen Ex-Chef, den (inzwischen betrugsverdächtigen) Phillip Bennett verborgt und schlimmstenfalls verloren - hat am Montag den Gouverneur der Nationalbank, Klaus Liebscher, auf den Plan gerufen.

Er appellierte "an die politischen Verantwortungsträger, den Fall Refco/Bawag im Interesse der Stabilität, aber auch der internationalen Reputation des österreichischen Finanzplatzes nicht zum Thema innenpolitischer Auseinandersetzungen zu machen." Der Bestand der Bank sei "nach den der OeNB vorliegenden Informationen weiterhin nicht gefährdet."

Vor-Ort-Prüfung

Wie berichtet ist seit Freitag die Vor-Ort-Truppe der Finanzmarktaufsicht (FMA) und der OeNB in der Bank, um Licht ins Dunkel der Kreditvergabe zu bringen. Nachdem die FMA bereits Prüfungen angekündigt hatte, hat Finanzminister Karl-Heinz Grasser am Vorwahl-Donnerstag aufs Tempo gedrückt, der Prüftrupp zog jedenfalls am Freitag in die Bawag-Zentrale ein.

Hintergrund: Die FMA ist eine weisungsfreie und unabhängige Aufsichtsbehörde, die einmal im Jahr dem Finanzausschuss des Nationalrats berichtet. Allerdings hat der Finanzminister aufgrund seiner politischen Verantwortung sehr wohl das Recht, Auskünfte von der FMA einzuholen und gemäß einschlägiger Gesetze Prüfungen in Auftrag zu geben.

Dann ist die FMA verpflichtet, unverzüglich an das Ministerium und ihren Aufsichtsrat zu berichten. Ein Sprecher des Finanzministers: "Es gibt keinen Auftrag an die FMA, sie ist selbst aktiv geworden." Am Montag zeigte sich Grasser von der Arbeit der FMA angetan. Die Causa sei ihr "erster schwerer Fall", sie agiere "bisher sehr gut".

Karibik-Connection

Ob die Prüfer auf allenfalls vorhandene Zusammenhänge mit den "Karibik-Geschäften" der Bank stoßen (sie wurden Mitte der Neunziger vom Sohn des damaligen Bawag-Chefs Walter Flöttl, Wolfgang, vermittelt; seine Gesellschaft war Refco-Kunde; Flöttl bestreitet jede Verwicklung), ist offen.

Im Sonderaufsichtsrat am vorigen Donnerstag war Flöttl kein Thema gewesen. Dort hieß es allerdings, Bennetts Kredit sei von einem nicht näher bezeichneten Refco-Mitarbeiter "unterstützt" worden.

Thomas Hackl, der frühere Bawag-Treasury-Chef, der von Mai 2002 bis November 2004 Leiter der Vermögensverwaltung von Refco in New York war und heute als Investmentbanker in Genf arbeitet, schließt seine Mitwirkung aus. Anders lautende Berichte seien "Räubergeschichten aus dem Wienerwald. Ich habe keine geschäftlichen Verbindungen zur Bawag, sitze in keinem Gremium und habe auch keinen Beratungsvertrag", sagte er zum STANDARD.

Verschwiegenheitspflicht

Die Frage, ob er den Wienern das Kreditansuchen Bennetts avisiert habe, lässt er seinen Anwalt, Michael Rami, beantworten: "Mein Mandant sieht sich aufgrund der ihn treffenden Verschwiegenheitspflichten leider außerstande, zu derartigen Behauptungen Stellung zu nehmen."

Warum Hackl (er ist Verwaltungsrat der Liechtensteinschen Bank Frick, an der die Bawag beteiligt ist und Refco vier Prozent hält) Verschwiegenheitspflichten unterliege? Rami: "Hackl darf über Interna nichts sagen." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.10.2005)

  • Artikelbild
    foto: der standard/matthias cremer
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