Proberütteln am Freilandverbot

4. November 2005, 15:16
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Manch Geflügelhalter sucht nach Wegen, seine Tiere trotz Stallpflicht an die frische Luft zu bekommen

...unmöglich, laut Ministerium und EU, die über Importverbote berät.

Wien/Brüssel – Leiden müssten die an Freilandhaltung gewohnten Hühner an der Stallpflicht nicht – "aber natürlich fehlt ihnen der Auslauf", schildert Toni Hubmann, Firmenchef von "Toni's Freilandeier". Und wenn er die behördliche Geflügeleinsperrung aus Gründen der Vogelgrippenprävention im Prinzip auch gut heißt, so geben ihm die "sinnlos an der Stalltür wartenden Hendln" doch zu denken.

Also will der Sprecher der rund 600 professionellen heimischen Freilandgeflügelhalter "in den kommenden Wochen mit den Behörden ins Gespräch kommen, ob es nicht doch irgendwie möglich ist, die Hühner rauszulassen". Etwa "nach einer Impfung", wie er im STANDARD- Gespräch andeutet. Doch im Büro von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) weist man diese Möglichkeit weit von sich.

EU gegen Geflügelimpfungen

"Da wird sich nichts machen lassen", meint auch Michael Hess, Leiter der Klinik für Geflügel an der Wiener Veterinärmedizinischen Universität. Immerhin sei der in Asien entwickelte Impfstoff gegen den besonders virulenten Vogelpesterreger H5N1 in der EU nicht zugelassen. Und zwar "mit guten Gründen: Erstens, weil geimpfte Tiere zwar nicht akut erkranken, aber das Virus weiter in sich tragen und verbreiten können. Zweitens, weil die EU gegen die Seuchenausbreitung eine Strategie der Keulungen verfolgt".

Konkret würde im Fall eines Vogelpestfalles in Österreich wie in allen EU-Staaten das Geflügel im Umkreis von drei Kilometern geschlachtet. So, wie es an rund 50 Millionen Stück Geflügel während der "von einem ebenfalls sehr pathogenen Virus ausgelösten" Vogelgrippenepidemie zwischen 2000 und 2003 in holländischen und deutschen Geflügelzuchten bereits vorexerziert worden ist, wie Josef Köfer, Bereichsleiter Veterinärmedizin bei der Agentur für Ernährungssicherheit (Ages) erläutert.

Rauch-Kallat: "Österreich weiter vogelgrippenfrei"

Anders als in diesen Jahren – so Ministerin Rauch-Kallat vor der Presse am Montag – sei ein toter Vogel heute rasch eine Nachricht wert. Dabei gelte es zu betonen, dass "Österreich weiter vogelgrippenfrei" sei. Sowie voll auf Prävention zu setzen – von Überzeugungsarbeit für das ab 28.Oktober verbindliche Freilandverbot bis hin zu Information über und Hilfe bei der neuen Meldepflicht bei den Bezirksbehörden.

Letztere besteht ab spätestens 11. November für jedes im Privatbesitz befindliche Geflügel. Doch, so die Ministerin in behördenschonender Absicht, "der Kanari oder andere Ziervogel zu Hause muss nicht angemeldet werden".

Außerhalb Österreichs gab es am Montag indes neuerlichen Vogelgrippen-Verdachtsalarm: Im südungarischen Szeged wurden verendete Tauben gefunden. Die Ermittlung, um welches Virus es sich handelt, wird in den Labors fünf Tage in Anspruch nehmen. In Kroatien wurde in den Körpern toter Schwäne der Vogelgrippenerreger H5 nachgewiesen. Entgegen anders lautenden Berichten kann aber erst ein Speziallabor feststellen, ob es sich um die gefährliche Virus-Abart H5N1 handelt. Die EU plant jetzt ein Importverbot für Geflügel aus Kroatien, Geflügel in Teilen – also Geflügelfleisch – soll aber ausgenommen sein.

Das H5N1-Virus kann bei engem Kontakt zwischen Mensch und Vogel auf den Menschen übergehen – und es besteht die Befürchtung, dass er sich mit dem Humangrippevirus zu einem neuen Supervirus verbinden könnte. Was im Fall einer weltweiten Grippepandemie unter den Menschen zu geschehen hat, beraten seit Montag Gesundheitsexperten und Regierungsvertreter aus 30 Staaten in Ottawa, Kanada. Diskutiert wird über den Stand der Impfstoffforschung, die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten sowie über die Informationspolitik bei Epidemien. (bri, DER STANDARD-Printausgabe 25.10.2005)

Informationen über die Vogelgrippe und die mit ihr verbundenen neuen Regelungen gibt es am Ages-Infotelefon:
Tel. (050) 555 32, DW 301 bis 305

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AGES

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