Großer Wert, geschöpft aus viel Kultur

24. Oktober 2005, 18:08
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Kulturveranstaltungen sind Teil fast jeder Reise in der Region. Nutznießer ist in erster Linie der Tourismus. Aber auch die regionale Wirtschaft profitiert von den zahlreichen Events. Umwegrentabilität heißt das Zauberwort

Umsätze in Millionenhöhe, zehntausende Arbeitsplätze, steigende Wertschöpfung: Die Crossover-Kultur in der Centrope Region hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt.

83 Prozent aller Wienbesucher etwa sind laut Wien Tourismus in Sachen Kunst und Kultur unterwegs. Von Jänner bis September 2005 nächtigten allein in Wien rund 47.000 tschechische, 23.000 slowakische und 59.000 ungarische Touristen. Die Wertschöpfung aus dem (Kultur-)Tourismus beträgt 3,1 Milliarden Euro, rund 6 Prozent des Bruttoregionalprodukts der Stadt. Nicht zu vergessen die 55.000 Menschen, die dadurch einen Arbeitsplatz haben.

„Kulturevents und –festivals sind Tourismusmagneten. Ihre Bedeutung wird noch zunehmen,“ meint Klaus Sommer vom Burgenland Tourismus. Nahezu 535.000 Besucher verzeichneten die heurigen Kulturveranstaltungen im Burgenland. Davon lockten allein die klassischen Musikveranstaltungen, wie die Seefestspiele Mörbisch mit ihrem Operettenprogramm oder die Opernfestspiele St. Margarethen, insgesamt rund 390.000 Besucher an.

Das geballte Kulturangebot zur Sommerzeit hat für das Burgenland auch einen zusätzlichen Effekt: Einer Studie über die Umwegrentabilität zufolge flossen im Jahr 2004 über 70 Millionen Euro in die Wirtschaft, beispielsweise als Ausgaben in Restaurants und Hotels. Kulturlandesrat Helmut Bieler: „Der Kulturbereich ist einer der größten Wirtschaftsfaktoren des Landes geworden.“

Dass internationale Gäste ein wichtiger Faktor sind, bestätigt auch die Statistik der Opernfestspiele im Römersteinbruch in St. Margarethen. Der Anteil ausländischer Gäste beträgt hier vier Prozent. Nominell gibt es in diesem Bereich seit der Gründung der Festspiele 1996 ein Wachstum von rund 2700 auf insgesamt 8900 Besucher. Obwohl die Hälfte davon aus Deutschland kommt, sind auch Ungarn und Tschechen vertreten. Das Produktionsbudget von sechs Millionen Euro investieren die Festspiele in den weiteren Ausbau der Infrastruktur. Geld, das, neben der Vergnügungssteuer, der Region zugute kommt. Die hundert saisonalen Arbeitskräfte kommen allesamt aus der Gemeinde. Der kulturelle Austausch funktioniert auch auf anderer Ebene: Das Festspielorchester kommt beispielsweise aus dem tschechischen Brünn.

Cash über Umwege
Auch die Seefestspiele Mörbisch setzen auf künstlerische Gastarbeiter: „Wir haben bereits seit Jahren ein Ballett aus Bratislava engagiert“, sagt Dietmar Posteiner, Geschäftsführer der Seefestspiele Mörbisch. 2005 sahen 220.000 Menschen „Die Lustige Witwe“. Gäste aus der Region Centrope kamen allerdings nur in vernachlässigbarer Zahl. „Aus Ungarn hatten wir heuer höchstens 200 Besucher. Aus der Tschechischen und Slowakischen Republik so gut wie keine“, klagt Posteiner. Mögliche Gründe sind seiner Meinung nach die Sprachbarriere und das niedrige Lohnniveau. Der Umsatz der Seefestspiele betrug 2005 zehn Millionen Euro.

Auch Mörbisch ist ein Jobmotor für die Gegend: 300 Personen haben während der Saison einen Arbeitsplatz. Das ganze Jahr über sind 11 Personen fix beschäftigt. Laut Posteiner schlug sich die Umwegrentabilität für die gesamte Region Neusiedlersee im Jahr 2003 mit knapp 35 Millionen Euro zu Buche.

Wegen der räumlichen Nähe ist auch die slowakische Hauptstadt Bratislava ein beliebtes Ausflugsziel vieler Niederösterreicher und Wiener. „Der Schwerpunkt des Interesses österreichischer Touristen ist Bratislava. Vor allem die Oper hat eine große Anziehungskraft“, bestätigt Daniel Lukac von der Slowakischen Zentrale für Tourismus in Wien. Opernfahrten nach Bratislava stehen zudem hoch im Kurs. Ein Anbieter ist Elite Tours. „Pro Jahr nehmen daran mittlerweile rund 12.000 Gäste teil“, gibt der Geschäftsführer des Reiseunternehmens, Wilhelm Böhm, Auskunft. Der Österreicher-Anteil am slowakischen Tourismus ist insgesamt allerdings eher gering: 2004 waren es nur drei Prozent. Für Bratislava wird heuer ein Nächtigungsplus von 35 Prozent (rund 1,2 Millionen Nächtigungen) erwartet. 40 Millionen Kronen fließen aus dem Tourismus in die Stadtkasse, das sind mehr als 10 Millionen Euro.

Jobmotor der Region
Das größte World Music Festival der Tschechischen Republik, das „Colours of Ostrava“, findet seit vier Jahren in der mährischen Stadt Ostrava, statt. 12.000 Besucher kamen heuer. „In den letzten Jahren stieg die Zahl der Gäste aus Österreich, der Slowakei und Ungarn kontinuierlich an“, erklärt Jirí Sedlák, vom Veranstalter des Events. 600 Arbeitsplätze konnten saisonal geschaffen werden. „Besonders gefragt sind auch jene Angebote, die mit klassischer Kultur zu tun haben. Was Brünn betrifft sind dies vor allem das Janacek- und Mahen-Theater“, schildert Dagmar Lipp vom Tschechischen Zentrum. Knapp 300.000 Österreicher machten im Vorjahr Urlaub in Tschechien.

In Sopron, nahe der österreichisch-ungarischen Grenze, hat sich das VOLT-Festival etabliert. Es hat sich seit 1993 zu einem der bedeutendsten Freiluft-Festivals Ungarns gemausert. Letztes Jahr kamen rund 35.000, heuer rund 50.000 Gäste aus Ungarn, Österreich und der Slowakei. Hauptgewinner ist die Stadt selbst. Hunderte Arbeitsplätze wurden geschaffen. Der Imagegewinn ist nicht bezifferbar. In West-Ungarn haben allein die Viersternhotels um drei Prozent mehr Nächtigungen verzeichnet, die Zimmereinnahmen stiegen um 14,2 Prozent. Der ungarische Tourismus entwickelt sich allgemein überdurchschnittlich gut: In den ersten acht Monaten dieses Jahres gab es ein Nächtigungsplus von 1,5 Prozent, das bedeutet: 14 Millionen Übernachtungen.
Markus Böhm
  • Kulturveranstaltungen in der Centrope Region sind Touristenmagneten und Jobmotoren

    Kulturveranstaltungen in der Centrope Region sind Touristenmagneten und Jobmotoren

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