Computer-Müll geht in Entwicklungsländer - getarnt als "Entwicklungshilfe"

3. November 2005, 10:26
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USA exportieren lieber als zu recyclen

Alte Computer für Entwicklungsländer halten nicht immer das, was sie versprechen. Die exportierten Geräte sind meist für den Gerbrauch zu Hause, in Schulen oder im Geschäftsleben nicht zu gebrauchen und auch nicht mehr zu reparieren. Zusätzlich verursachen sie vor Ort große Umweltprobleme. Zu diesem Ergebnis kommt das Basel Action Network (BAN) in ihrem Report "The Digital Dump: Exporting Reuse and Abuse to Africa". Konkret bezieht sich die Organisation auf Nigeria. Die Situation dort soll vergleichbar mit den meisten Entwicklungsländern sein.

"Schaffung einer digitalen Brücke in die ärmeren Länder"

Der Report wirft Entsorgungsfirmen in den Vereinigten Staaten vor, dass unbrauchbares Equipment einfach an Entwicklungsländer abgegeben wird, um so Recycling-Kosten einzusparen. Unter dem Deckmantel der "Schaffung einer digitalen Brücke in die ärmeren Länder" werden die Nebeneffekte verschleiert, so der Report. Alleine in den USA fallen dieses Jahr mehr als 63 Mio. Computer für die Entsorgung an. Ein Computer-Monitor beinhaltet durchschnittlich bis zu vier Kilogramm an Drähten, Plastik, feuerfesten Substanzen und Kadmium.

gefährlicher Abfall

Bereits im Jahr 2002 konstatierte BAN, dass zwischen 50 und 80 Prozent des elektronischen Abfalls der USA unter unregulierten Verhältnissen in China, Indien, Pakistan und anderen Entwicklungsländern auseinandergebaut und verwertet werden. Der neue Report behauptet auch, dass die US-Amerikaner glauben würden, ihre alten Computer werden für einen guten Zweck verwendet. Die Organisation kämpft auch für die Umsetzung der Baseler Konvention, worin die UNO versucht, den Handel mit gefährlichem Abfall zu unterbinden. Die USA sind die einzige Industrienation, die das Abkommen bis dato nicht ratifiziert haben.

500 Container mit elektronischem Material

Als Beispiel für die Dimension der Abfallbeseitigung wird der nigerianische Hafen in Lagos angeführt. Hier sollen im Monat geschätzte 500 Container mit elektronischem Material ankommen. Ein Behälter beinhaltet rund 800 Computer. Im Monat sollen es insgesamt 400.000 gebrauchte Rechner sein. Trotz der zunehmenden Technologisierung des Landes mangelt es Nigeria laut BAN nach wie vor an der entsprechenden Infrastruktur für die Wiederverwertung der Computer. Viele würden daher auf Deponien landen, wo toxische Substanzen dann das Grundwasser verschmutzen. (pte)

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