Reportage aus der ergrünten Josefstadt: "Ich find´s super"

25. Oktober 2005, 09:48
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derStandard.at hat sich in der Josefstädter Straße umgehört, was die Menschen davon halten, dass der 8. Bezirk nun grün ist

Nach dem 7. Bezirk ist nun auch die Josefstadt fest in grüner Hand. Am ersten Tag des Wechsels ist in der Josefstädter Straße davon noch nicht viel zu spüren, lediglich die "Danke"-Aufkleber auf den Wahlplakaten zeugen davon, dass die Wahlen nun vorbei sind. "Grün? Von mir aus nicht", reagiert ein Pensionist auf die Frage, was er davon hält, dass die Grünen in der Josefstadt nun den Bezirksvorsteher stellen. Er habe ungültig gewählt, erzählt er: "Das hängt mit der Pension und den Arbeitsplätzen zusammen: Jeder verspricht was und keiner hält´s." Positiver schon die Reaktion einer älteren Frau, die mit ihren Einkäufen die Josefstädter Straße entlang spaziert: "Ich find´s super!"

Viele der Menschen, die hier anzutreffen sind, wohnen nicht im 8. Bezirk, sondern arbeiten nur hier, so auch die Verkäuferin eines Blumengeschäfts. Das Ergebnis findet sie "überraschend", dass sich durch einen grünen Bezirksvorsteher etwas ändern wird, bezweifelt sie aber: "Ich denke, der Platz in diesem Bezirk ist begrenzt, um auch etwas für Verkehrsberuhigung tun zu können."

"I-Tüpfelchen in der Ewigkeit"

Ähnlich sieht dies auch ein Pensionist, der gerade die Auslage eines Buchgeschäfts studiert: "Was sollen die tun? Die ganzen Häuser wegreißen? Die Straßen sperren?" Für ihn ist der Wahlsieg der Grünen in der Josefstadt ohnehin nur ein "I-Tüpfelchen in der Ewigkeit". Um tatsächlich dazu beitragen zu können, dass die Umweltverschmutzung verringert wird, sei der Bezirk sei zu klein, da müsse sich eher in China etwas ändern. Optimistischer reagiert eine Pensionistin, die im 8. Bezirk einen Sprachkurs besucht, aber im 1. Bezirk lebt: "Lassen wir uns überraschen!"

Kritisch die Reaktion eines Verkäufers eines Bioladens: "Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu den Grünen. Um ehrlich zu sein: Ich halte sie für unfähig. Vielleicht nicht im 7. Bezirk, aber hier schon." In seinem Geschäft gehe es nicht so sehr um den "grünen Gedanken", sondern um "gutes Essen". Deshalb glaube er auch nicht, dass seine Kundschaft sich hauptsächlich aus den Grün-WählerInnen zusammensetzt.

"Mehr Grünanlagen"

"Ich finde das super, ich habe Grün gewählt", freut sich hingegen eine Mutter, die gerade mit ihrem kleinen Kind an einer Ampel wartet. Eine Josefstädter Pensionistin wiederum formuliert bereits Wünsche an die Bezirksvertretung: "Ich hoffe, dass sich für die Hunde und für die Alten etwas verändert. Mehr Grünanlagen zum Beispiel."

Von Sonja Fercher und Marietta Türk
  • Wie grün wird nun die Josefstadt, wenn ein Grüner den Bezirksvorsteher stellt?
    foto: derstandard.at/marietta türk

    Wie grün wird nun die Josefstadt, wenn ein Grüner den Bezirksvorsteher stellt?

  • Heribert Rahdjian von den Grünen wird in Zukunft in der ehemaligen ÖVP-Hochburg als Bezirksvorsteher amtieren. Er setzt sich für mehr Mitbestimmung ein und will dafür ein "offenes Amtshaus" schaffen.
    foto: standard/cremer

    Heribert Rahdjian von den Grünen wird in Zukunft in der ehemaligen ÖVP-Hochburg als Bezirksvorsteher amtieren. Er setzt sich für mehr Mitbestimmung ein und will dafür ein "offenes Amtshaus" schaffen.

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