Berlusconi: "Bin Opfer der Satiriker"

3. November 2005, 11:22
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Regierungschef wettert gegen Show von Adriano Celentano: "Ein Großteil von RAI ist gegen mich gerichtet"

Rom - Die umstrittene Fernsehsendung "Rockpolitik" des italienischen Sängers, Schauspielers und Showmasters Adriano Celentano verärgert Regierungschef Silvio Berlusconi. "'Rockpolitik' ist nur das letzte Beispiel eines Mediensystems, das seit meinem Amtsantritt vor fünf Jahren stets die Arbeit des Kabinetts und des Regierungschefs in Verruf bringen will", beklagte Berlusconi nach Angaben italienischer Medien.

Der Medientycoon und Ministerpräsident nannte einige der populärsten Satiriker, die ihn seiner Ansicht nach stets im Fernsehen attackieren. Er kritisierte unter anderem die Komikerin Sabina Guzzanti, die durch ihre Persiflagen Berlusconis zum Star geworden ist. Die Verwandlungskünstlerin schlüpft in ihren Shows meist in die Rolle Berlusconis, hin und wieder mimt sie auch dessen Rivalen.

"Ein Großteil ist gegen mich gerichtet"

"Man beschuldigt, mich, das italienische Mediensystem zu kontrollieren, dabei ist es offensichtlich: Ein Großteil der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI ist gegen mich gerichtet." Berlusconi beschuldigte die Opposition, die Medien auszunutzen, um Lügen über seine Arbeit zu verbreiten. "Die Linke wiederholt Lügen, damit sie als Wahrheit erscheinen. Dies ist eine alte Methode", betonte Berlusconi.

"Meinungsfreiheit"

Die fast dreistündige Show "Rockpolitik", die von RAI 1 gesendet wurde und von Celentano bis ins kleinste Detail selbst gestaltet wurde, widmete sich dem Thema "Meinungsfreiheit". Der Säulenheilige des Italo-Pop sparte dabei nicht mit Attacken gegen Berlusconi wegen dessen Kontrolle über das italienische Mediensystem.

In einer langen Tirade hob Celentano hervor, dass Italien laut internationaler Studien weltweit Platz 79 besetze, was Medienfreiheit betrifft. Die Show erwies sich als Riesenerfolg. Elf Millionen Italiener verfolgten das Programm, was der RAI Einschaltquoten von fast 50 Prozent bescherte - ein Riesenerfolg angesichts fünf weiterer landesweiter Sender im Land.

Politische Affäre

Die Show ist in Italien zur politischen Affäre geworden. Die völlige Redefreiheit des exzentrischen Celentano sorgte für hitzige Reaktionen in Regierungskreisen. Mit Spannung fiebert man den weiteren drei Folgen der Show entgegen. Zu den Stargästen der am kommenden Donnerstag geplanten Show zählen der Starregisseur Roberto Benigni und der Pop-Star Eros Ramazzotti

Berlusconi hat keine gute Beziehung zu italienischen Satirikern. Zwei Monate vor den Parlamentswahlen 2001 hatte Berlusconi die Italiener zum Boykott einer satirischen Polit-Show aufgerufen, bei dem ihm Mafia-Verbindungen in die Schuhe geschoben worden waren. Berlusconi hatte damals angekündigt, dass aus Protest kein Politiker seiner oppositionellen Mitte-Rechts-Allianz mehr an Fernsehprogrammen und politischen Sendungen der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt teilnehmen werde. Der Satiriker Daniele Luttazzi, der die Show moderierte, musste seitdem der RAI fern bleiben. (APA)

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    Adriano Celentano in seiner Show "Rockpolitik".

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