Sprachen als Wert der Gesellschaft stärken

22. November 2005, 15:35
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Das Ideal des Euro­päischen Fremd­sprachen­zentrums des Europa­rats lautet für jeder EU- Bürger: "Mutter­sprache plus zwei"

Sprachen als Wert der Gesellschaft stärken Das Europäische Fremdsprachenzentrum des Europarats in Graz beschäftigt sich mit Strategien zum Spracherwerb. Jeder EU-Bürger soll neben der Muttersprache zwei weitere Sprachen beherrschen, lautet ein Ideal. Zuvor sind aber noch andere Maßnahmen umzusetzen.


"Der Wert des Spracherwerbs besteht in der Horizonterweiterung, die dem Einzelnen ein ganz anderes Bild eines Landes und dessen Kultur verschafft. Man beschäftigt sich mit den Menschen auf anderer Basis, als wenn man nur Englisch kommuniziert", ist Ursula Newby überzeugt. Als Geschäftsführerin des Vereins Europäisches Fremdsprachenzentrum (EFSZ), der Trägerorganisation des vom Europarats in Graz angesiedelten EFSZ, bestimmen Fremdsprachen ihr Leben.

"Wer Sprachen lernt, differenziert auch das Bild seiner Heimat, was zu stärkerer Weltoffenheit führt und zu mehr Flexibilität für berufliche Auslandseinsätze." - Was dem Einzelnen gut tut, hilft somit der Wirtschaft.

Sprachliches Job-Plus

Heimische Unternehmer verstünden immer mehr, "dass es in Geschäftsbeziehungen ein Plus ist, wenn man sich zumindest auf gesellschaftlicher Ebene mit dem Partner in dessen Sprache verständigen kann". Sympathie und Wertschätzung kämen besser rüber, wenn in der Muttersprache gegrüßt wird. So werde Arbeitnehmern von ihrem Betrieb zunehmend Zeit und teilweise Geld für die sprachliche Weiterbildung zur Verfügung gestellt.

Das EFSZ definiert sich als Forum der Begegnung und der Diskussion für Entscheidungsträger aus dem Bildungsbereich und internationale Sprachexperten. Bis 2007 geht es schwerpunktmäßig um gesellschaftliche Probleme, "die sich aus der nationalen Vielfalt an Sprachen und Kulturen durch Migration und Arbeitsplatzmobilität ergeben", sowie um Ausbildungsmöglichkeiten für eine neue Lehrergeneration, die verstärkt auf diese Probleme eingeht. Weiters forciert man den Einsatz neuer Unterrichtstechnologien - "etwa Weblogs" - und neuer Maßnahmen, die Prüfungen und Abschlüsse international vergleichbar machen.

Der Verein bemüht sich daneben, "die an den EFSZ-Projekten beteiligten Experten für Vorträge an den Hochschulen der Region zu gewinnen".

Um das Ziel "Muttersprache plus zwei" zu erreichen, das der Europarat für EU-Bürger im Auge habe, meint Newby, "es wäre vernünftiger, nicht mit Englisch zu beginnen, sondern mit der Sprache eines Nachbarlandes - etwa Ungarisch - oder einer, die in der Klasse vertreten ist, wie Türkisch oder Kroatisch". Englisch sei sowieso selbstverständlich "wie der Führerschein" und könne später leicht erlernt werden.

Zudem sollten Englischlehrer heute schon "moralisch verpflichtet werden, die Grundfertigkeiten für den Spracherwerb zu vermitteln, sodass man nicht jedes Mal von null anfangen muss, sondern auf Strategien zurückgreifen kann". (DER STANDARD, Printausgabe vom 22./23.10.2005)

Von
Bernhard Madlener

emcl.at
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    bild: photodisc
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