Kommentar: Lachende Hooligans

4. März 2006, 11:07
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Die paar gestörten Störenden, denen längst Stadionverbot gebührt, würden Rapid nicht wirklich abgehen. Doch bald sitzen sie schon wieder im Stadion und lachen sich ins Fäustchen...

Nichts ist von Menschen zu halten, die Gewalt - wie jene, die der Austria-Torhüter Didulica im Mai dem Rapid-Stürmer Lawaree angetan hat - mit Gewalt vergelten wollen, die an Sicherheitszäunen zerren, mit Leuchtraketen auf Personen zielen, die sich selbst im Mittelpunkt, aber kein Fußballspiel sehen wollen. Nicht viel ist von einem Ordnerdienst zu halten, der unzählige Fans mit Feuerwerkskörpern und bengalischen Feuern passieren lässt - zu einem Spiel, das a priori als problematisch gilt. Das 275. Wiener Derby geht weniger ob des ersten Sieges seit 19 Jahren, den Rapid im Horr-Stadion feierte, in die Geschichte ein denn der halbstündigen Verzögerung wegen, die von Rapid-Hooligans erzwungen worden war.

Nicht viel mehr ist von einem System zu halten, in dem Hooligans scheinbar alle Rechte haben, in dem die große Mehrheit vernünftiger Matchbesucher von einer kleinen Minderheit seit Jahr und Tag in Verruf gebracht wird, in dem man sich fürchten muss, ein Spiel zu besuchen - sei's mit Kindern oder Jugendlichen, für deren Ohren und Augen erst recht nicht bestimmt ist, was man im Stadion zu hören und zu sehen bekommt.

Was davon zu halten ist, dass in England mit Gefängnisstrafen bedroht wird, wer Gegenstände auf Spielfelder wirft oder ein Stadionverbot missachtet? Die Abschreckung jedenfalls ist groß, in englischen Stadien ist das Hooligan-Problem unter Kontrolle. In Österreich liegt es bis dato an den Klubs, "Hausverbote" auszusprechen, die meisten Klubs machen davon kaum Gebrauch, sie wollen es sich nicht mit ihren Kunden verscherzen. Schärfere Sanktionen gegen Hooligans sind überfällig. Die paar gestörten Störenden, denen längst Stadionverbot gebührt, würden Rapid nicht wirklich abgehen. Doch bald sitzen sie schon wieder im Stadion und lachen sich ins Fäustchen. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 24. Oktober 2005 Kommentar, Fritz Neumann)

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