Die Waschmaschine zum Mieten

7. November 2005, 13:49
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Alternatives Verkaufsmodell soll Markengeräte attraktiver machen: Um 16,20 Euro pro Monat sollen vor allem junge Wohnungseinrichter erreicht werden

Wien - Die so genannte "Weiße Ware" ist weiterhin gefragt. Aber der Gesamtumsatz im Einzelhandel sinkt kontinuierlich, denn die Preise bei den großen Haushaltsgeräten sind seit Jahren unter Druck. Günstige Eigenmarken-Produkte sowie Anbieter aus der Türkei und Fernost bringen billige Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kühlschränke auf die europäischen Märkte.

Nun setzen die großen Player der Branche verstärkt auf ein neues Instrument, um Ab-und Umsatz wieder nach oben zu bringen: Sie vermieten Waschmaschinen. "Wir machen das seit fünf Jahren", sagt Franz Schlechta, Geschäftsführer von Siemens Bosch Haushaltsgeräte Österreich, "aber seit kurzem steigt das exponentiell an." SBH kooperiert dabei mit Händlervereinen, 250 bis 280 Geräte pro Monat seien zuletzt für fünf Jahre inklusive Vollgarantie vermietet worden.

Seit kurzem ist auch Miele mit einem Mietprogramm auf dem Markt. Miele ist als Einzelmarke die Nummer eins auf dem insgesamt rund 650 Millionen Euro Umsatz generierenden heimischen Markt der Weißen Ware in Österreich, die größte Firmengruppe ist SBH mit den Marken Siemens, Bosch, Gaggenau, Neff und Constructa.

"In Nordamerika sind Mieten oder Ratenkauf praktisch normal", sagt Josef Vanicek, Geschäftsführer von Miele Österreich im Gespräch mit dem STANDARD. "Wir testen jetzt bis Weihnachten mit einer limitierten Auflage von 1000 Stück bei Waschmaschinen, 500 Stück beim Trockner, wie der Markt reagiert." Sollte die Nachfrage bei den Händlern ausreichend hoch sein, werde Miele sich einen Partner im Banksektor suchen, der sich um die Finanzierungsabwicklung kümmern soll.

Für erste eigene "Bude"

Zielgruppe für die Mietmodelle sind einerseits jene jungen Wohnungseinrichter, die nicht so liquide sind, dass sie sich die Anschaffung einer teureren Maschine bei Sofortzahlung leisten könnten. Doch SBH-Chef Schlechta sieht auch bei kleinen Gewerbebetrieben wie Friseuren Marktchancen.

Bei Miele sieht die Rechnung exemplarisch so aus: Für den Waschautomat W3241 WPS sind monatlich 16,20 Euro zu entrichten, der Mietvertrag gilt für zehn Jahre, alle Wartungskosten sind wie beim SBH-Modell inkludiert.

In Summe ergibt dies 1944 Euro - wohlgemerkt: nicht zinsbereinigt; überschlagsmäßig berechnet käme man bei angenommenen rund vier Prozent pro Jahr auf einen Barwert von etwas mehr als 1300 Euro. Im Handel wäre diese Maschine derzeit um rund 1000 Euro zu haben, exklusive Installation und Garantie. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.10.2005)

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    Ob Mann das Zeug zum Wäschewaschen hat, kann er mit einem Mietgerät ja erst einmal erproben.

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