Kopf des Tages: Hermann Maier

16. November 2005, 11:42
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Die neuerliche Auferstehung des Herminators

Hermann Maier im Oktober 1998, nach seinem ersten von mittlerweile drei Siegen beim Riesenslalom auf dem Rettenbachferner ob Sölden: "Mir fehlt noch die Kraft. Ich bin noch lange nicht dort, wo ich hinwill." Maier hatte mit nicht einmal zwei Sekunden Vorsprung gewonnen. Hermann Maier im Oktober 2005, nach seinem dritten Sieg in Sölden: "Ich habe die sonnigen Bedingungen perfekt ausgenützt. Das war sicher der Grund, warum die anderen so viel Zeit verloren haben. Ansonsten wäre sich der Sieg wohl nicht ausgegangen." Maier hatte mit sieben Hundertsteln einer Sekunde Vorsprung gewonnen.

Zwischen Sölden 1998 und Sölden 2005 liegt der August 2001. Maier wurde bei einem Motorradunfall schwer verletzt, nach einem offenen Unterschenkelbruch drohte die Amputation des rechten Beines, ein Nierenversagen wurde gerade noch abgewendet. Die Zeit vor dem Unfall: Maier musste die Skihauptschule in Schladming vorzeitig beenden. Er war viel zu schwach, um es mit seinen Alterskollegen aufzunehmen.

Maier wurde Maurer, träumte seinen Traum vom Skistar, trainierte gnadenlos ehrgeizig, machte sich 1995 als Vorläufer bei einem Weltcup-Rennen in seiner Heimat Flachau dermaßen wichtig, dass ihn der ÖSV in den Europacup schickte. Maier siegte, um Selbiges bald darauf im Weltcup zu tun. 1997/98 gewann er als erster Österreicher den Gesamtweltcup, er sollte ihn vor dem August 2001 noch zweimal gewinnen.

Bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano wurde aus Herrn Maier der Herminator. In der Abfahrt baute er den spektakulärsten Sturz der Skigeschichte, um sich an den folgenden Tagen Gold im Super-G und im Riesenslalom zu nehmen. 1999 in Vail krönte er sich zum Weltmeister in Abfahrt und Super-G. Das alles ging nicht leicht, Maier arbeitete härter und mehr als die Konkurrenz, wirkte verbissener, wirkte erfolgreicher.

Tränen wird er schon vergossen haben, aber niemals in der Öffentlichkeit. Das tat er erstmals im Jänner 2004, als ihn der erste Triumph seiner zweiten Karriere, jener beim Super-G in Kitzbühel, zutiefst rührte. Demütig reagierte er auch im Februar 2005, als er in Bormio doch eher überraschend den WM-Titel im Riesentorlauf holte. Am Sonntag und in Sölden hatte er schon wieder feuchte Augen. "Wenn man etwas nicht erwartet, und es trifft dann doch ein, dann ist das am schönsten."

Maier, der am 7. Dezember 33 Jahre alt wird, regiert zwar als Riesentorlauf-Weltmeister, doch ein spektakulärer Sturz beim Sommertraining in Neuseeland bescherte ihm eine Sprunggelenksverletzung im linken Fuß, was ihn im Training weit hinter seinem Plan zurückbleiben ließ. Auf dem Rettenbachferner ob Sölden lieferte er schon wieder eine kleine Auferstehung. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 24. Oktober 2005, Benno Zelsacher)

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