Michael Häupl - Beginn der nächsten Metamorphose

7. November 2005, 18:07
38 Postings

Unangenehmer einer Bürgerinitiative, Spezialist für Gekkoniden, Umweltstadtrat, Bürgermeister, Königsmacher in der SPÖ ...

Michael Häupl hat im Zuge seiner politischen Karriere bereits einige Metamorphosen vollzogen. Den Anzeichen nach könnte am Abend dieses 23. Oktober bereits eine weitere begonnen haben.

Das erste Mal in Erscheinung getreten war Häupl als aufmüpfiger Unangenehmer einer Bürgerinitiative gegen die Verbauung eines Grünareals. Als solcher habe er Helmut Zilk mit Argumenten überzeugt – so will es die Mär.

Dann wiederum war Häupl der wissenschaftliche Mitarbeiter im Naturhistorischen Museum – als Spezialist für Gekkoniden und ähnliches Wirbelgetier. Einer, der 1988 noch davonlief, als ihm der damalige Bürgermeister Helmut Zilk zur Stadtratswürde eine Krawatte anbot. Inzwischen ist ihm die Krawatte zum unerlässlichen Umhängsel geworden.

Dann wurde der Umweltstadtrat Chef der Stadtpartei (1993) und wenig später im Jahr darauf auch noch Bürgermeister. Auf einmal trat er betont populär auf, sich volksnah gebend, volksnaher noch als sein Vorgänger Zilk, was kaum jemand für möglich gehalten hätte. So ganz wurde er allerdings seinem Ruf nie gerecht – wirklich genossen hat er das Bad in der Menge noch nie. Nur dort, wo er sich daheim fühlt, wo er weiß, dass die seinigen da sind, lebt er sichtlich auf.

Dann, nach 2001, der nächste Wandel: Als Häupl unerwartet mit einer absoluten Mandatsmehrheit ausgestattet wurde – ein Erfolg im Schatten des turbulenten Antritts der schwarz-blauen Regierung im Bund. Mit einem Mal erschien Häupl weitaus staatstragender. Mit dem Poltern war's auf einmal vorbei. Nun aber eine ausgebaute absolute Mehrheit im Stadtparlament – gleichzeitig aber begegnet er einer wiedererstarkten FPÖ. Schon kündigt Häupl an, dem werde man sich widmen müssen. Man wird sehen, in welchem Stil er das tun wird.

Eines noch überraschte bei diesem Wahlgang: Dass Häupl mit seinem 16-jährigen Sohn wählen ging. Privates hatte er stets tunlichst von der Politbühne fern gehalten. So war es auch weiters kein Thema, als zu Beginn dieses Wahlkampfes kolportiert wurde, er habe sich von seiner Frau getrennt. Ja, so sei es, ließ Häupl verlauten, gute Freundschaft sei geblieben, Ende der Mitteilung.

Mit dem satten Ausbau seiner absoluten Mehrheit ist Häupl aber auch endgültig zum Königsmacher in der SPÖ geworden. Dass er selbst noch im Bund antreten könnte, hat Häupl bis Sonntagabend immer heftigst dementiert: "Und ich steh zu meinem Wort."

Wenn Häupl einer Frage ausweichen will, tut er es anders. Als er Anfang der Neunziger gefragt wurde, ob er das nächste Stadtoberhaupt werde, hatte Häupl an sich heruntergesehen und gegengefragt: "Schaut so a Bürgermeister aus?" Seit diesem Sonntagabend weiß man mit absoluter Sicherheit: ja. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2005)

Share if you care.