AUA will in der Ukraine warten lassen

16. November 2005, 14:14
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Die Austrian Airlines planen mit der Ukraine International Airlines eine gemeinsame tech­nische Basis in Kiew - Die Kapazitäten in die Ukraine werden um bis zu 35 Prozent erhöht

Die heimischen Austrian Airlines, führende westliche Fluglinie in der Ukraine, plant ihre Aktivitäten strategisch mithilfe ihrer Partnergesellschaft Ukraine International Airlines (UIA) auszuweiten. An der UIA ist die AUA derzeit mit 22 Prozent beteiligt, was einem Wert von 13,25 Mio. Dollar entspricht.

"Wir wollen unsere Zusammenarbeit mit den Österreichern in allen Bereichen vertiefen," erläutert Yuri Miroshnikov, Präsident von UIA, im STANDARD-Gespräch. Dies soll nicht nur etwa über zusätzliche Kooperationsflüge geschehen, gemeinsam mit der Austrian-Airlines-Technik wird ein Wartungszentrum für die Boeing 737 geplant.

Geringe Lohnkosten

"Die Lohnkosten unserer Techniker dürften um bis zu 50 Prozent niedriger sein als zum Beispiel in der Tschechischen Republik", analysiert UIA-Manager Richard Creagh, der dadurch Chancen sieht, ein Boeing Kompetenzzentrum in Kiew zu etablieren.

Denn der Wettbewerb für Standardwartungsarbeiten an Verkehrsflugzeugen befindet sich in Westeuropa aufgrund des hohen Lohnniveaus und des Preiskampfes von Billigfluglinien enorm unter Druck.

Westliche Fluglinien suchen verstärkt nach günstigen Alternativen. "Der Technikstandard in der Ukraine ist auf hohem Niveau. Wir sind massiv daran interessiert, unsere Boeing-737-Großwartungen unter der Nutzung unserer ukrainischen Beteiligung durchführen zu können", sagt AUA Finanz- und Technikvorstand Thomas Kleibl.

Erste Wartungen 2007

Bis den Ukrainern aber die volle Verantwortung für ein derartiges Projekt übertragen werden könne, müssten AUA-interne IT-Systeme vor Ort installiert werden. Kleibl: "Wenn alles klappt, könnten wir die ersten Flugzeuge ab 2007 zur Wartung nach Kiew entsenden". Die AUA betreibt zur Zeit neun Boeing 737.

Für die AUA wäre Kiew bereits der zweite Wartungsstandort im Osten. Das im September gegründete Austrian Airlines Technical Center Bratislava wird ab dem Spätherbst Wartungsarbeiten an der AUA-Fokker-70/100-Flotte und an Bombardier-Regionaljets übernehmen.

Unterdessen muss sich die UIA in ihrem Heimatmarkt einer zunehmenden Konkurrenz westlicher Fluglinien stellen, der man mit einer Erhöhung der Kapazitäten entgegentreten will, "welche wir um 35 Prozent steigern und die Flotte von neun auf zwölf Boeing 737 erweitern", so Miroshnikov. Die Flotte soll 2009 bereits 20 Flugzeuge umfassen. Seit 2001 betrugen die jährlichen Passagierzuwächse der UIA 25 Prozent.

Heuer werden 857.000 Passagiere erwartet, und Miroshnikov hofft, trotz der hohen Treibstoffkosten ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen zu können.

Drei Millionen Passagiere

Gegenwärtig generiert die 48 Millionen Einwohner zählende Ukraine rund drei Millionen Passagiere jährlich. "Wenn der Zuwachs zehn bis zwölf Prozent pro Jahr beträgt, so sind das in zwei bis drei Jahren über fünf Millionen Passagiere", meint Pavil Riabikin, der stellvertretende Verkehrsminister, zum STANDARD.

Somit sieht die AUA genügend Potenzial, das Angebot in die Ukraine von gegenwärtig 44 wöchentlichen Flügen ab Sommer 2006 um 35 Prozent zu erhöhen. Als sechstes Ziel soll neu Donetsk dreimal die Woche bedient werden.

Auch die AUA-Beteiligung an der UIA soll wachsen. "Wir streben an, in einem mittelfristigen Privatisierungszeitraum unsere Anteile von 22 Prozent auf über 25 Prozent zu erhöhen", sagt Kleibl. Das könnte bereits nächstes Jahr geschehen.

Derzeit hält der Staat über einen State Property Fund 61,6 Prozent an UIA, weitere Teilhaber sind die EBRD (9,9 Prozent) und Debis AirFinance mit sechs Prozent. Die AUA beschäftigt in der Ukraine 70 Mitarbeiter. (Kurt Hofmann aus Kiew, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.10.2005)

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