Stallpflicht überfordert Geflügelhalter

25. Oktober 2005, 20:08
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Während europaweit weitere Vogelgrippefälle bekannt werden, stellt die Stallpflicht vor allem kleine Geflügelhalter vor Probleme

Wien/Brüssel – Die Einhaltung der Stallpflicht für ihre "fünf fetten Sulmtaler" habe sie krass überfordert, schildert eine private Hühnerhalterin aus dem südlichen Niederösterreich, "sechs Wochen oder länger in dem engen Verschlag, da werden die Viecher irre." Also habe sie die vier Hennen und den Hahn geschlachtet, schweren Herzens, aber doch.

Zwei Tage nach Inkrafttreten des Verbots der Freilandhaltung für Federvieh als Vorsorgemaßnahme gegen die Vogelgrippe stellt sich heraus: Nicht so sehr die Hühnerfarmbetreiber oder anderen berufsmäßigen Geflügelhalter stöhnen unter den neuen Pflicht, sondern jene Menschen, die nur wenige Stück Geflügel besitzen – fehlen ihnen oftmals doch geeignete Stallungen.

Keine Würmer und Körner

Gerald T., Halter dreier Indischer Laufenten im Waldviertel, bestätigt dies: „Wir haben die Tiere in unserer Scheune untergebracht. Das Problem ist, dass sie jetzt nicht selber nach Würmern oder Körnern suchen können, sondern voll auf unsere Fütterung angewiesen sind.“ Bei Strafen um die 4000 Euro gilt die Stallpflicht vorerst bis 15. Dezember , die „Schonfrist“ für Halter auf der Suche nach geeigneter Indoor-Unterbringung endet am 28. Oktober.

Unterdessen mehren sich die Fälle des gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 in Europa. In Proben von fünf im Osten Kroatiens tot aufgefundenen Schwänen hätten Wissenschafter eines Londoner Labors den Erreger nachgewiesen, berichtete am Wochenende die Zagreber Tageszeitung Vecernij list. Bei vier im schwedischen Eskiltuna aufgefundenen toten Enten stellte sich hingegen heraus, dass diese an einem weniger gefährlichen Vogelgrippevirus erkrankt waren. Insgesamt sind über 140 Varianten der Geflügelpest bekannt.

EU zu Keulungen

Die EU-Kommission bereitet sich schon auf Geflügelkeulungen in größerem Ausmaß vor. Wie der Sprecher von EU-Verbraucherschutzkommissar, Markos Kyprianou, sagte, bezahle die EU 50 Prozent der Kosten, auch Entschädigungen für Geflügelbauern sind vorgesehen. Den Rest müssten die Mitgliedstaaten tragen. Die Kofinanzierung ist schon bei BSE angewandt worden.

Das Thema Vogelgrippe wird am Montag beim Treffen der EU-Agrarminister in Luxemburg eine Rolle spielen. Es wird erwartet, dass ein Importverbot gegen Geflügel aus Kroatien verhängt wird. Großbritannien zielt auf ein EU-weites Importverbot von Wildvögeln ab, Deutschland unterstützt diesen Vorstoß, die EU will über ihn am Dienstag entscheiden. Über eine globale Strategie gegen die Vogelgrippe beraten am Montag auch Gesundheitsminister und Gesundheitsorganisationen im kanadischen Ottawa. (bri, afs, DER STANDARD Printausgabe, 24.10.2005)

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